Schnpsl-Favoriten · 📣

Blue Planet III

BBC Earth is returning to the ocean. 25 years after the first installment, the legendary naturalist, presenter, and centenarian David Attenborough narrates Blue Planet III. This first look video, backed by a song Hans Zimmer & Jade Thirwall, is teeming with stunning footage of sea life of all sorts.

Ed Yong called BPIII’s predecessor the best nature series ever:

Blue Planet II is the greatest nature series that the BBC has ever produced.

It is almost transcendentally good—the product of a team that, after six decades of experience, is now at the height of its powers. The Blue Planet II crew traveled to 39 countries to capture over 6,000 hours of footage. They stuck their cameras into coral crevices. They hung off speedboats to film dolphins rocketing behind them. They literally stared into the abyss—and then repeatedly entered it. The resulting episodes, each narrated by David Attenborough in his trademark velvety tones, are hour-long distillations of wonder, featuring sequences that would be breathtaking had earlier shots left you with any breath to take away.

Blue Planet III will air sometime later in the year in the UK; not so sure about timelines in other locations at this point.

Tags: Blue Planet · David Attenborough · trailers · TV · video

  •  

Ein ♥ für Blogs

Im April 2009 hat Kai Müller vom StyleSpion-Blog zur Aktion „Ein ♥ für Blogs“ aufgerufen. Es wurde die mit Abstand erfolgreichste Blogaktion, an die ich mich erinnern kann. Hier findet ihr den damaligen Aufruf im Internet Archive: Ein ♥ für Blogs (2009).

Mein Vorschlag: Wir machen das einfach noch einmal.

Am 6.12. veröffentlichen alle, die mitmachen möchten, einen Beitrag mit dem Titel „Ein ♥ für Blogs“, in dem sie ihre lesenswerten, deutschsprachigen Blogs vorstellen.

Ich sammle alle Beiträge unter https://herz.rivva.de/.
Wenn ihr mögt, verlinkt diese Aktionsseite, dann kann Rivva eure Beiträge leichter finden.

Nach der alten Erfolgsformel:

  1. Erzählt es herum.
  2. Am Nikolaus Linkliebe verschenken an eure Lieblingsblogs.
  3. Freuen.
  •  

morgenspaziergang 04.10.2026

ges­tern beim mor­gen­spa­zier­gang über din­ge nach­ge­dacht, die ich re­la­ti­vie­ren könn­te. ich war ja vor ner wei­le mal ge­nervt von ei­ner kam­pa­gne die dazu auf­rief we­ni­ger (fil­me und fern­seh­se­ri­en) zu strea­men um die welt zu ret­ten. ab­ge­se­hen da­von dass sich das shift pro­ject, das die stu­die da­mals ver­öf­fent­lich­te und zur in­ter­net-ent­halt­samkkeit ge­gen die kli­ma­ka­ta­stro­phe auf­rief, sich or­dent­lich ver­rech­net hat­te.

ich hab beim mor­gen­spa­zier­gang un­ter an­de­rem dar­über nach­ge­dacht, dass die kino-vor­füh­rung ei­nes films ja auch nicht ge­ra­de kli­ma­neu­tral ist. so ein ki­no­saal wird kli­ma­ti­si­ert, der pro­jek­tor und der raum brau­chen strom, nicht alle vor­stel­lun­gen sind aus­ver­kauft und zu­schau­er müs­sen an­rei­sen. wenn sie das mit dem auto tun sind auch schnell ein paar ki­lo­gramm CO₂ pro­du­ziert.

sol­che CO₂ rech­nun­gen und un­ken­ru­fe zu neu­en tech­no­lo­gien er­mü­den mich nicht al­lein we­gen ih­rer ge­le­gent­li­chen un­über­schau­bar­keit und kom­ple­xi­tät, son­dern auch weil sie — und vor al­lem die be­richt­er­sta­tung dar­über — so sel­ten den ge­winn, die vor­tei­le, mög­li­che po­si­ti­ve ent­wick­lun­gen mit in be­tracht zie­hen.

mir fiel je­den­falls wie­der ein, wie schwie­rig es frü­her™ über­haupt war an in­for­ma­tio­nen zu kom­men. ich hat­te das glück in ei­nem haus­halt zu le­ben, in dem stän­dig sehr viel be­druck­tes pa­pier ge­kauft wur­de und fand so re­la­tiv viel le­se­stoff vor. als ich so um die 15 jah­re alt war ent­deck­te ich auch die stadt­bi­blio­thek aa­chen. ich er­in­ne­re mich noch gut dar­an, dass ich beim brow­sen in den re­ga­len lau­fend po­ten­zi­el­le ant­wor­ten auf die gros­sen fra­gen des le­bens ent­deck­te. eins der ers­ten bü­cher, das ich mir als jun­ger teen­ager dort aus­lieh, war ein buch über zu­fall und wahr­schein­lich­keits­rech­nung. ich kämpf­te mich durch das buch und be­kam da­mit eine gro­be vor­stel­lung der wahr­schein­lich­keits­rech­nung, der gauß­schen nor­mal­ver­tei­lung und lern­te ein paar tricks fürs spiel­ka­si­no.

na­tür­lich be­ka­men wir auch in der schu­le bü­cher, aber wirk­lich mit bü­chern zu ar­bei­ten, mir the­men aus bü­chern zu er­ar­bei­ten oder das was man re­cher­che nennt, das hab ich erst 18 jah­re nach mei­ner ge­burt in ei­ner ame­ri­ka­ni­schen high­school ge­lernt. die high­school die ich dort be­such­te war ei­gent­lich nicht be­son­ders gross oder fan­cy, aber sie hat­te eine je­der­zeit zu­gäng­li­che, gut sor­tier­te bi­blio­thek mit ei­ner ei­ge­nen bi­blio­the­ka­rin. das kann­te ich aus deutsch­land nicht. im prin­zip habe ich dank der bi­blio­thek und der mög­lich­keit, ein term-pa­per zu ei­nem frei wähl­ba­ren the­ma zu schrei­ben, in der ame­ri­ka­ni­schen high­school das re­cher­chie­ren und schrei­ben ge­lernt.

die­se bi­blio­thek an der steil­a­coom high­school war da­mals ge­nau­so wie heu­te das in­ter­net ein an­ge­bot das man wahr­neh­men oder igno­rie­ren konn­te. so wie ich mich heu­te im in­ter­net zu ei­nem the­ma durch­schlän­geln kann — zum bei­spiel von ei­nem ve­ri­ta­si­um vi­deo zu bayes theo­rem zu ei­nem wi­ki­pe­dia ar­ti­kel zu nate sil­vers the si­gnal and the noi­se oder zu wei­te­rer li­te­ra­tur — ge­nau­so kann ich mich auch in mei­nem in­sta­gram-feed dumm­scrol­len.

ab­ge­se­hen da­von, dass ich froh bin nicht mehr jung zu sein, wenn ich noch­mal jung sein müss­te, wür­de ich eine ju­gend in un­se­rer in­ter­net- und KI-welt mei­ner ju­gend in der pa­pier- und gate­kee­per-welt vor­zie­hen. ge­ziel­te in­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung und un­ge­ziel­te neu­gier­be­frie­di­gung sind in un­se­rer ver­netz­ten welt po­ten­zi­ell so viel bes­ser, zu­gäng­li­cher und viel­fäl­ti­ger. so­gar bi­blio­the­ken sind durch die ver­net­zung bes­ser ge­wor­den.

aber ei­gent­lich woll­te ich ja re­la­ti­vie­ren.

mir fiel beim quer­le­sen des ar­chiv des pes­si­mis­mus wie­der auf, wie wir mit dem auf­kom­men fast je­der neu­en tech­no­lo­gie und mit je­der neu­en ge­ne­ra­ti­on das schlimms­te er­war­ten: ver­dum­mung, krank­heit, ver­ar­mung, zer­stö­rung der welt. pes­si­mis­mus hat oft ei­nen wah­ren kern, ge­nau wie po­pu­lis­mus sich auch oft an tat­säch­li­chen pro­ble­men kris­tal­li­si­ert. ge­nau­so ha­ben werk­zeu­ge und tech­no­lo­gien meis­tens so­wohl das po­ten­zi­al zum zer­stö­ren als auch zum kre­ieren. ich habe jah­re­lang als schrei­ner mit gross­ma­schi­nen ge­ar­bei­tet mit de­nen man sich und an­de­ren furcht­ba­re ver­let­zun­gen zu­fü­gen könn­te. aber weil ich ei­ner­seits (ein biss­chen) in ihre be­die­nung ein­ge­ar­bei­tet wur­de und ich an­de­rer­seits um ihre ge­fähr­lich­keit wuss­te, habe ich sie mit re­spekt und um­sicht be­dient.

mes­ser, sche­re, licht, sind für klei­ne kin­der nicht ist kein be­son­ders nütz­li­cher tipp. mei­de­ver­hal­ten ist nicht im­mer die bes­te lö­sung. bes­ser ist oft den um­gang mit ver­meint­lich ge­fähr­li­chen din­gen zu ver­än­dern oder prag­ma­tisch an­zu­ge­hen. licht ist mitt­ler­wei­le ex­trem kin­der­si­cher seit wir es nicht mehr in öl­lam­pen mit streich­höl­zern ein­schal­ten, es gibt kin­der­sche­ren und kin­dern den re­spekt­vol­len und um­sich­ti­gen um­gang mit mes­sern (un­ter auf­sicht) bei­zu­brin­gen scheint mir klü­ger und er­folg­ver­sprech­n­der als ein pau­schal­ver­bot.

rich­tig — glau­be ich zu­min­dest — ist es, fort­schritt­pes­si­mis­mus mit ge­an­au so viel skep­sis zu be­geg­nen wie fort­schritts­op­ti­mis­mus. aber bei skep­sis soll­ten wir, wie bei al­lem an­de­ren im le­ben, mass hal­ten. gut­gläu­big­keit ist ge­nau­so un­güns­tig wie ab­so­lu­te ab­leh­nung, zu­viel salz ge­nau­so un­ge­niess­bar wie keins.

ich fra­ge mich im­mer ob men­schen, die der ju­gend von heu­te dumm­heit oder faul­heit oder ver­weich­li­chung oder ra­di­ka­li­tät (oder das ge­gen­teil, je nach­dem was ge­ra­de in der pes­sis­mus-sze­ne en vogue ist) an­dich­ten, ei­gent­lich mer­ken, dass sie sich mit ih­rer ein­schät­zung in eine jahr­tau­sen­de alte tra­di­ti­on ein­rei­hen. na­tür­lich kann man die ju­gend kri­ti­sie­ren, na­tür­lich muss die ge­sell­schaft gren­zen set­zen und (im­mer wie­der neu) aus­lo­ten wo­hin wir uns be­we­gen wol­len und was wir be­wah­ren wol­len und was wir be­reit sind auf­zu­ge­ben. aber da­bei soll­te man nie die neu­gier aufs neue und un­be­kann­te ver­lie­ren, nur weil das alte, be­kann­te so be­quem oder eben be­kannt ist.

ste­ve jobs sag­te in sei­ner stan­ford com­mence­ment speech von 2005 sinn­ge­mäss, dass der tod wahr­schein­lich die bes­te er­fin­dung des le­bens sei: er schaf­fe platz für neu­es, in­dem das alte ver­schwin­de. in­so­fern könn­te man die ge­ring­schät­zung der ju­gend oder von neu­en for­men der spra­che oder neu­en tech­no­lo­gien und me­di­en si­cher­lich auch als furcht vor der ei­ge­nen be­deu­tungs­lo­sig­keit se­hen. also letz­ten­end­lich als furcht vor dem tod.

an­de­rer­seits kann man furcht vor still­stand oder rück­schritt na­tür­lich ge­nau­so als furcht vor be­deu­tungs­lo­sig­keit se­hen; schnell mal was neu­es/gros­ses/ir­res schaf­fen um mich un­ver­ges­sen zu ma­chen. aber mein punkt ist glau­be ich eher, dass ich ex­tre­men ge­wiss­hei­ten aus prin­zip miss­traue. wo­bei wir wie­der bei der gauß­schen nor­mal­ver­tei­lung sind und ich am ende mei­ner über­le­gun­gen vom mor­gen­spa­zier­gang.

eine wiese mit umgeben von einer dichten baumreihe und gespickt mit ein paar baumninseln im morgengrauen und morgennebel.
die reh­ber­ge, ge­le­gent­lich ähn­lich ne­bu­lös wie mei­ne über­le­gun­gen.
  •  

Russendiskonews Oktober 2026

Niemand in Moskau spricht mehr von einer „speziellen Operation“, angesichts der brennenden Raffinerien, Lagerhallen und ratternder Flugabwehr rund um die Hauptstadt wäre es lächerlich und unglaubwürdig von irgendeiner „Operation“ zu reden und den Krieg weiter von der eigenen Bevölkerung zu verstecken. Nun heißt der Krieg „Krieg“ und wird in der offiziellen Sprache des Kremls als „Krieg gegen den Westen“ präsentiert. Das ändert vieles in der Wahrnehmung der Bevölkerung. Während die spezielle Operation irgendwo hinter sieben Bergen vor sich hin ballerte, zeitlich unbegrenzt war und sich endlos hätte hinziehen können, ohne große Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu erregen, braucht der Krieg einen schnellen Sieg. Der fehlende Sieg in diesem Winter würde eine Niederlage des Regimes bedeuten. Also wird in Moskau krampfhaft nach einem Sieg gesucht.

Auf den Schlachtfeldern der Ostukraine, das sagen alle Experten, ist ein schnelles Vorwärtskommen nicht möglich.

Während die russischen Söldner an einem Frontende ein Dorf besetzen, befreien die Ukrainer am anderen Ende zwei. Dieses ständige Hin und Her sieht nicht nach einem Sieg aus. Mikroskopische territoriale Eroberungen bringen nur mehr Gefahren mit sich und sind schwer als Sieg zu verkaufen

Der andere Weg zum Sieg wäre, die zivile Infrastruktur der ukrainischen Bevölkerung mit Luftangriffen nachhaltig zu zerstören. Unter diesen Bedingungen würden sie Druck auf ihre politische Führung machen, um sie zur Kapitulation zu bewegen. Deswegen hagelt es Raketen auf Charkow und Kiew, die Sirenen hören Tag und Nacht nicht auf zu heulen. Ein Freund von mir, der gerade von Kiew nach Berlin reiste, erzählte, er leide auch in Deutschland unter den Phantom-Sirenen, die er nun ständig in den Ohren hat und zuckt jedes Mal, wenn ein Flugzeug am Himmel erscheint, zusammen. Der Himmel über der Ukraine ist für den zivilen Flugverkehr seit viereinhalb Jahren geschlossen, nur Bomben, Raketen und Drohnen fallen vom Himmel.

Die Einschüchterung der ukrainischen Bevölkerung wird jedoch nicht klappen, meint mein Freund. Zum einem haben die Ukrainer schon etliche Winter unter Beschuss hinter sich, zum anderen sind sie jetzt in der Lage zurück zu bomben. Blackouts auf russischem Territorium können in bevorstehendem Winter eine große Überraschung für die Russen werden.

Die andere Neuigkeit, die die russische Bevölkerung verunsicherte, war die fehlende Luftabwehr im Hinterland.

Die Regierung äußerte sich dazu, die Verteidigung der Raffinerien und Lagerhallen seien den Firmen zu überlassen, deren diese Objekte gehören. „Die Rettung der Ertrinkenden liegt in der Obhut der Ertrinkenden“ Sie müssen sich ihre eigene Luftabwehr schaffen.

Aus dem Bauch des Volkes kam ein leises Flüstern: „Wo ist denn die Raketenabwehr? Geklaut!“

Noch eine mögliche Variante des russischen Sieges wäre die politische Destabilisierung Europas, deswegen hatte die Wahl der AfD in Sachsen- Anhalt von den russischen Medien mehr Aufmerksamkeit bekommen als die eigenen Parlamentswahlen und ihr Ausgang wurde frenetisch gefeiert.

Mit ebenso großer Hoffnung schaut das Regime nach Frankreich, dort könnte bald Marie Le Pen regieren.

Man verspricht sich von den Rechten(!) das Ende der Waffenlieferungen in die Ukraine und eine Verbeugung vor der russischen Streitmacht. Gleichzeitig werden Angriffe auf die europäische Infrastruktur geplant.

Die naive Phantasie, die Rechten seien Russlands Freunde, ist ein Missverständnis, absolutes Wunschdenken. Es gibt sicher in den Reihen der deutschen Rechten alle möglichen Personen und einige halten sich sicher für russlandfreundlich, doch im Kern waren die Rechten niemals Pazifisten. Sollte ihre Heimat, egal wie, von den Russen angegriffen sein, werden sie die letzten sein, die mit Plakaten „Make love, not war“ auf die Straße gehen. Und auch Marine Le Pen änderte inzwischen ihre Rhetorik und möchte nun die EU verteidigen.

Eine Zeitlang schien es, die beispiellose Schwäche der amerikanischen Außenpolitik, die das Land ihrem Präsidenten zu verdanken hat, könnte den Russen zum Sieg verhelfen. Der Amerikaner kann pathologisch keine Koalitionen schließen, wie ein einsamer Batman fliegt er durch die Welt und möchte ganz allein nur durch die Kraft seines furchterregenden Intellekts alle Konflikte beseitigen. Zum Glück scheint dem Batman nun der Sprit ausgegangen zu sein, er summt mehr als er fliegt.

 Es steht fest, der Krieg, den Russland entfesselt hat, veränderte die politische Architektur in Europa und zersetzte Schritt für Schritt das Konzept der europäischen Sicherheit.

Zum Einen funktioniert die nukleare Abschreckung nicht mehr. So wie die Feinde Amerikas keine Angst mehr vor dessen Atomraketen haben, wird im Osten die Atommacht Russland ebenfalls ignoriert.

Zum Anderen kam es zu einer „Partisanisierung“ des Krieges. Der Krieg findet nicht mehr an der Frontlinie statt, sondern überall oder nirgendwo. Man braucht keine Armee und keine Panzerkolonnen mehr, um Krieg zu führen. Eine Schülergruppe, die Codes für KI schreiben kann, ist in der Lage die Versorgungsnetze einer Großstadt lahm zu legen, ebenso  Flughäfen .

Die Partisanisierung schreitet voran, überall auf der Welt kämpfen Menschen mit und ohne Uniformen, mit und ohne Abzeichen, unter falschen Flaggen oder ganz ohne eine. Hisbollah und Hussiten, iranische Milizen und russische anarchistische Trupps auf der Seite der Ukraine. Die Nachrichtendienste konnten sich früher auf den Feind fokussieren und ihn beim Namen nennen. Die Terrorgruppen übernahmen selbst die Verantwortung für ihre Anschläge. Heute ist es kaum möglich, den Feind zu identifizieren und die Verantwortung wird von niemandem mehr übernommen.

Die Welt schwimmt in Verantwortungslosigkeit.

Vor diesem Hintergrund darf Europa nicht nachlassen. Sie soll an einer Niederlage Russlands arbeiten, ohne sich in einen direkten Konflikt einmischen zu lassen. Nur eine Niederlage kann Russland heilen, sein Sieg würde das Land für unabsehbar lange Zeit in einen schlimmen Totalitarismus münden lassen. Diese russische Niederlage könnte verschieden aussehen, der wirtschaftliche Druck, der die Finanzierung der Armee behindert, die Ermöglichung von Cyberattacken auf kommunikative Systeme des Regimes und natürlich die Bewaffnung der ukrainischen Armee.

In diesem Winter wird, so hoffe ich, das letzte Kapitel dieses unsäglichen Krieges geschrieben, die Soldaten kommen wieder nach Hause und die Welt bekommt eine Verschnaufpause. Dann sehen wir weiter.

  •  

Bei der Diskussion um Erbschaften...

Bei der Diskussion um Erbschaften fielen mir zwei grundsätzlich gegenläufige Ansichten auf, von denen nur eine wirklich angesprochen wird. Derzeit geht es ja vereinfacht darum, dass Menschen, die selbst kein Erbe zu erwarten haben, irgendwie unzufrieden sind und entschädigt oder beteiligt werden möchten. Bezahlt von denjenigen, die schon ein Erbe erhalten haben oder eines erwarten können. Deren Sichtweise wird doch etwas verflacht und verfemt als Gierde beschrieben, was die Intention des Behaltenwollens nicht ganz trifft. Abgesehen davon, daß es mir schwer fällt, im Behalten und Bewahren des Eigenen etwas Schlechtes zu sehen, gehört zu dieser Sichtweise noch ein Aspekt, der sie zum Gegenspieler des Beteiligtwerdens macht: Das Vererbenwollen. Alle mir bekannten einigermaßen wohlhabenden Menschen machen sich Gedanken darüber, wie sie ihren Nachkommen etwas hinterlassen können. Ich selbst habe mir diese Gedanken beim Erwerb eines Waldstücks gemacht. Zum einen bin ich stolz darauf, dieses hinterlassen zu können, und arbeite und verdiene und verzichte gern dafür. Genau diese Tätigkeiten - arbeiten, verdienen, verzichten - werden von der anderen Gruppe gern als unmöglich dargestellt. Begründet wird dies durch zu pflegende Angehörige, fehlende Arbeitsplätze oder allgemein hohe Kosten. Doch zurück zum Wald und meinen Gedanken: Möchten die Nachkommen dieses mit so viel Arbeit verbundene Stück Erde, und wird es ihnen und der Gesellschaft noch etwas wert sein? Enteignung trifft ja nicht nur Konzerne, sondern durch gesellschaftliche Ansprüche auch Privatleute. Beim Wald sind dies Vorgaben, die seine Nutzung vielleicht einschränken oder Betretungsrechte und Sicherungspflichten erweitern und damit das Erbe zur Last machen können. Ganz zu schweigen davon, daß man auf Arbeit schon auch Lust haben muß, um sie nicht nur als Last zu empfinden. Und damit finde ich von meinem Vererben vielleicht zurück zu den Gegensätzen zwischen Verteilen und Vererben. Ich halte es für sinnvoller, die Debatte dahin zu führen, wie die Möglichkeiten zum Aufbau und Vererben verbessert werden können, anstatt immer neue Gründe und Ansprüche auf eine Beteiligung am Erbe anderer Leute herauszudeklinieren. Vererben ist doch Hoffnung auf eine bessere Zukunft, und es ist für die Erblasser doch völlig in Ordnung, wenn diese bessere Zukunft ihre Erben beglückt. Und zum Vererben gehört nicht nur die Möglichkeit zum Aufbau eines Erbes, sondern auch die Möglichkeit, überhaupt einen Erben haben zu können. Aber bevor ich noch die Sozialdemokratie erfinde, höre ich lieber auf und kümmere mich um die Arbeit, die einst meinen Erben zugute kommen soll.
  •  

Bundesrepublik Deutschland

At times we forget what an amazing wonder the Bundesrepublik Deutschland was.  At the end of the World War II, Germany was one of the sickest and cruelest human societies in history, ever.  Not too many years later, it was one of the best and most successful societies ever.

By the 1980s, living standards had caught up to the United States, with the provision of public goods sometimes superior.  The country was fully democratic, pro-Western, and largely pro-American.

Their rail system and postal service were amongst the best ever created.

For thinkers of note there were Hans Blumenberg, Habermas, Peter Weiss, Gadamer, late Heidegger and late Carl Schmitt, Reinhart Koselleck, the underrated Klaus Theweleit, Niklas Luhmann, and perhaps you value some of the other members of the Frankfurt School.

The visual arts were very strong, with Richter, Polke, Baselitz, Beuys, Penck, Palermo, and much more.

Music produced Stockhausen, Henze, Lachenmann, Rihm, Zimmerman, Kraftwerk, Can, and all of Krautrock, later techno, though right at the time of unification rather than during the BRD per se.  The list of vocalists, instrumentalists, and conductors is strong.  Was there anywhere better for hearing opera?

Perhaps I prefer the fiction from Austria and Switzerland, but at the very least Germany provided a major market for those authors and it was an extraordinarily literate country with amazing bookstores.  For domestic authors there were Böll, Patrick Süskind, Siegfried Lenz, Wolfgang Koeppen, can I count Uwe Johnson?, and Arno Schmidt maybe?  I do not like Grass, but it seems wrong not to list him.

The food could be very good, especially in the southwest.  There were Michelin star restaurants all over the country (still are, to be clear on this point).  So many well-functioning cities, with many of the world’s best transit systems.  Lots of nuclear power and a strong industrial base.  West Berlin was an exciting city with an air of mystery.  Some might say no speed limit on the Autobahn, though I am less sure that was a virtue.  Plenty of beautiful women and reasonable attitudes toward sex.

If you had to choose, what was the worst thing about the country?  No shopping on Sundays?  Workplace and shopping hours discrimination against women?  Too much smoking?  Obsession with Waldsterben?

Are there features of post-unification Germany that can compare to this earlier era?  So much seems not to work well.  So many policy mistakes have been made.  So much leadership lost in the areas mentioned above.  So much pessimism, sadly a lot of it seems to be justified.

Where did all the good performance go?  And why did it leave?  Lack of a communist enemy?  Absorption of East Germany?  The simple accretion of distance from pre-WWII German creativity?

The wonder that was the Bundesrepublik Deutschland.  Johannes, we hardly knew ye.

The post Bundesrepublik Deutschland appeared first on Marginal REVOLUTION.

  •  

buch: „die wahrscheinliche wahrheit“ von mads pankow

ich habe mir mads pan­kows buch „die wahr­schein­li­che wahr­heit“ auf der ver­lags­sei­te ge­kauft, nach­dem er mich zu sei­ner buch­vor­stel­lung ein­lud, und gleich an­ge­fan­gen dar­in zu le­sen. bis zur buch­vor­stel­lung hat­te ich die hälf­te durch. mir ge­fiel mads pan­kows art zu schrei­ben von der ers­ten sei­te an. er schreibt ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar und an kei­ner stel­le fühlt man sich über­for­dert oder ir­ri­tiert1. ich habe bei vie­len au­toren das un­gu­te ge­fühl, dass sie kom­ple­xe sach­ver­hal­te ab­sicht­lich kom­pli­ziert auf­schrei­ben und das als di­stink­ti­ons­merk­mal se­hen. viel­leicht weil sie glau­ben, dass sie dann be­son­ders in­tel­li­gent wir­ken. bei mads pan­kow hat­te ich die­ses ge­fühl nicht ein ein­zi­ges mal. es scheint ihm nicht wich­tig zu sein, in­tel­li­gent zu wir­ken, son­dern es scheint ihm wich­tig, ver­ständ­lich zu schrei­ben. dazu kommt eine un­auf­ge­regt­heit und sach­lich­keit, die ich bei den meis­ten tex­ten über künst­li­che in­tel­li­genz in den letz­ten mo­na­ten im­mer wie­der ver­misst habe.

auch wenn der un­ter­ti­tel des buchs

Wie KI un­se­re Wirk­lich­keit, Mo­ral und Ge­sell­schaft neu be­rech­net

lau­tet, ist das buch nicht wirk­lich über künst­li­che in­tel­li­genz. es ist ein buch über re­la­ti­vi­tät, die re­la­ti­vi­tät von wahr­heit — oder die ge­schich­te und zu­kunft der wahr­heit.

ich habe über das the­ma seit jah­ren auch (re­la­tiv) in­ten­siv nach­ge­dacht. 2015 stell­te ich als teil­fa­zit ei­nes re­pu­bli­ca-vor­trags die stei­le the­se auf, dass die wahr­heit im­mer ein kom­pro­miss oder re­la­tiv sei. das ist so zu­sam­men­hangs­los ein sehr miss­ver­ständ­li­cher satz, und auch wenn ich spä­ter prä­zi­sier­te, dass es mir dar­um ging, der so­ge­nann­ten „wahr­heit“ im­mer dif­fe­ren­ziert, skep­tisch und mit de­mut zu be­geg­nen. vor al­lem des­halb, weil die wahr­heit — die welt — un­se­rer wahr­neh­mung nicht voll­um­fäng­lich zu­gäng­lich ist.

ich habe mich ge­freut, bei mads pan­kow ähn­li­che the­sen zu le­sen, die aber um ein viel­fa­ches ele­gan­ter und so­li­der be­grün­det sind als mein rum­ge­eie­re vor 11 jah­ren. hier zum bei­spiel über die „prag­ma­ti­sche wahr­heit“ und eine „alte The­se des Kon­struk­ti­vis­mus“:

Die Welt weiß nichts von un­se­ren Be­schrei­bun­gen und Theo­rien. Sie bleibt letzt­lich un­zu­gäng­lich. Eine letz­te Wahr­heit gibt es nicht, nur bes­se­re und schlech­te­re Mo­del­le. Wahr ist, was funk­tio­niert, Pro­gno­sen er­laubt.

mads pan­kow ord­net die ver­schie­de­nen aus­prä­gun­gen von wahr­heit in die me­di­en­ge­schich­te ein. münd­lich­keit, schrift und buch­druck ha­ben je ei­ge­ne mass­stä­be da­für ge­setzt, was als wahr, be­leg­bar und all­ge­mein­ver­bind­lich gilt. so­zia­le me­di­en und neu­er­dings „pro­ba­bi­lis­ti­sche ma­schi­nen“ (wie mads pan­kow KI oft nennt2), re­la­ti­vie­ren un­se­ren wahr­heits­be­griff noch ein­mal.

EINE KLEI­NE GE­SCHICH­TE DER WAHR­HEIT

Neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien ver­än­dern die Art und Wei­se, wie wir die Welt be­schrei­ben und ver­ste­hen. Mit der Schrift setz­te sich die li­nea­re Ar­gu­men­ta­ti­on durch und er­for­der­te eine Ord­nung der Wirk­lich­keit in Ka­te­go­rien und Re­geln. Der Buch­druck ver­viel­fäl­tig­te nicht nur Tex­te, son­dern auch Per­spek­ti­ven – und schuf da­mit ei­nen öf­fent­li­chen Dis­kurs, in dem Wahr­hei­ten um Gül­tig­keit kon­kur­rie­ren. Mit den di­gi­ta­len Tech­no­lo­gien ent­ste­hen nun zwei neue Wis­sens­ord­nun­gen: die ge­fühls­be­zo­ge­ne der so­zia­len Me­di­en und die wahr­schein­lich­keits­ba­sier­te der Künst­li­chen In­tel­li­genz.

wie ge­sagt, mads pan­kow lei­tet sei­ne me­di­en­ge­schich­te der wahr­heit gut les­bar und nach­voll­zieh­bar her, und das zu le­sen hat mir gros­ses ver­gnü­gen be­rei­tet. er ver­zich­tet auf jar­gon und nutzt fremd­wor­te nur, wenn es wirk­lich nö­tig ist oder passt. ich lese zu ähn­li­chen the­men auch sehr ger­ne die tex­te von mi­cha­el see­mann (zum bei­spiel die­sen), aber ge­ra­de der kon­trast zu see­manns tex­ten macht deut­lich, wel­che mühe sich pan­kow macht, sein buch auch nicht-in­si­dern zu­gäng­lich zu ma­chen. er setzt nichts vor­aus, man muss kein wis­sen über car­te­sia­nis­mus, an­thro­po­mor­phis­mus oder re­la­tio­na­len ma­te­ria­lis­mus mit­brin­gen, aber man merkt, dass pan­kow das wis­sen mit­bringt. aber statt es dem le­ser ins ge­sicht zu klat­schen, packt er es in die an­mer­kun­gen und läuft die ex­tra mei­le, bleibt im deut­schen, de­fi­niert be­grif­fe, be­vor er sie be­nutzt, deu­tet nicht an, son­dern for­mu­liert aus. aber er ver­ein­facht auch nicht so weit, dass die dif­fe­ren­zie­rung und prä­zi­si­on ver­lo­ren ge­hen. das eine oder an­de­re wis­sen­häpp­chen hat­te ich bei der lek­tü­re schon in­tus und im­mer wenn ich beim le­sen mal kurz dach­te, dass eine er­klä­rung zu kurz griff, dif­fe­ren­zier­te pan­kow ein paar sät­ze spä­ter.

das buch ist ein me­di­en- und ge­sell­schafts­theo­re­ti­scher es­say, der mich the­ma­tisch stark an mei­ne lek­tü­re von vor 40 jah­ren von neil post­mans „wir amü­sie­ren uns zu tode“ er­in­nert. aber ohne den gan­zen pes­si­mis­mus und die tech­no­pho­bie. die wahr­schein­li­che wahr­heit spru­delt im kon­trast nur so vor op­ti­mis­mus und dem glau­ben, dass wir als ge­sell­schaft die her­aus­for­de­run­gen der neu­en me­di­en und pro­ba­bi­lis­ti­schen ma­schi­nen schon meis­tern und die chan­cen er­grei­fen wer­den — ob­wohl „spru­deln­der op­ti­mis­mus“ viel­leicht et­was über­trie­ben ist. im­mer­hin lau­tet das fa­zit des buchs: „Die Me­di­en­ka­ta­stro­phe“. aber wie ein gu­ter op­ti­mist sieht er das glas we­der als halb voll noch als halb leer an, son­dern als glas, das man fül­len kann. die ka­ta­stro­phe sieht er als ge­stalt­bar an, vom kul­tur­pes­si­mis­mus lässt er die fin­ger.

so so­li­de mir sei­ne kul­tur­theo­rie der wahr­heit vor­kam, scheint mir der zwei­te teil des bu­ches auf wei­che­ren, hy­po­the­ti­schen füs­sen zu ste­hen. oder um­ge­kehrt, viel­leicht war ich auch ein­fach vom zwei­ten teil über­for­dert. aber das ist wohl we­ni­ger mads pan­kows schuld, als die kom­ple­xi­tät der her­aus­for­de­run­gen vor die uns die­se neu­en pro­ba­bi­lis­ti­schen sys­te­me stel­len, die uns ge­ra­de von den tech­no­lo­gie-un­ter­neh­men über­ge­stülpt3 wer­den.

die ver­wer­fun­gen der so­zia­len me­di­en, die uns ge­ra­de mal 20 jah­re be­glei­ten, zie­hen ge­ra­de in un­se­re par­la­men­te ein. den um­gang mit die­sen af­fek­ti­ven wahr­hei­ten ha­ben un­se­re ge­sell­schaf­ten noch nicht mal im an­satz ge­meis­tert — und schon dro­hen die wahr­schein­lich­keits­ba­sier­ten me­di­en die ge­sell­schaft­li­che ord­nung noch­mal in ih­ren grund­fes­ten zu er­schüt­tern. mads pan­kow sieht chan­cen in der ka­ta­stro­phe und hält sie für gestal­bar. ich fra­ge mich, ob die ge­stal­tung mehr zeit braucht, als der fort­schritts-takt uns der­zeit lässt und ob wir die­sen takt mit et­was mehr fort­schritt­pes­si­mis­mus und re­gu­lie­rung aus­brem­sen soll­ten.

so oder so brau­chen wir mehr denk­ar­beit zum ge­sell­schaft­li­chen wan­del in den uns der ra­sen­de tech­no­lo­gi­sche fort­schritt so oder so schleu­dert. und im con­stan­tin seibt’schen sin­ne4 lie­fert mads pan­kow auf 284 sei­ten 5 un­men­gen an denk­ar­beit zum wei­ter­den­ken.

zum wei­ter­le­sen und wei­te­re re­zen­sio­nen::


Mads Pan­kow
Die wahr­schein­li­che Wahr­heit.
Wie KI un­se­re Wirk­lich­keit, Mo­ral und Ge­sell­schaft neu be­rech­net.
Matthes & Seitz Ber­lin, 2026.
e-book 19,99 € · ge­bun­den 25,00 €

ver­lag epub/ge­bun­den | ama­zon | tha­lia


  1. was mich ein biss­chen ir­ri­tier­te war mads pan­kows nut­zung des ge­ne­ri­schen mas­ku­li­num und fe­mi­ni­num und der klas­si­schen dopp­lung (au­to­rin­nen und au­toren, bür­ger­rin­nen und bür­ger). auch wenn die dopp­lung das häu­figs­te mit­tel ist, pen­delt der text wild zwi­schen dop­pe­lung, mas­ku­li­num und fe­mi­ni­num. ↑︎

  2. auch: pro­ba­bi­lis­ti­sche sys­te­me/mo­del­le/al­go­rith­men ↑︎

  3. sie­he je­re­my keith: „The ma­jo­ri­ty con­sen­sus among­st ac­tu­al re­gu­lar peo­p­le is that this is be­ing forced down our throats and stuf­fed into our eyes and ears.“ ↑︎

  4. con­stan­tin seibt über kom­pri­mier­te zeit: „Das Kon­zept von kom­pri­mier­ter Zeit ist auch das der Grund, war­um Leu­te gern le­sen: Sie ma­chen ein blen­den­des Ge­schäft. In ei­ner Mi­nu­te ha­ben sie eine Stun­de frem­de Denk­ar­beit oder mehr ge­won­nen.“ quel­le: ta­ges­an­zei­ger.ch/dead­line (in 404 ver­siegt) ↑︎

  5. in mei­nem e-book rea­der wa­ren es 936 sei­ten ↑︎

★ ★ ★ ★ ☆
  •  

Bucolic minimalism

A photography project I've been thinking about since the pandemic. Photos of the countryside - but with *fewer things in them*.

Quite pleased with this set.

  •  

The 🔥🔥🔥 New Social App: NPR Podcasts Comments Section on Spotify

{Ira Glass voice} On this week’s episode of This American Life, the story of middle schoolers too young for social media chatting in the comments section of NPR’s podcasts on Spotify. From the transcript:

And it was just, like, gibberish. There was a bunch of new comments, but I couldn’t make heads or tail of any of them. They’re just these clipped, weird, incoherent postings that I was just like— it screamed bots, just because anytime that I see just gibberish in a comment on the internet, I assume it’s a bot. But the fact that they were all from different accounts seemed very weird. And the fact that they also maybe seemed to be interacting in some way also seemed weird and not like typical bot behavior.

They tracked down one of the participants and interviewed her:

Ira Glass: And can I ask, why did you guys pick NPR shows to be the ones where you went to in the comments?

Ella: I think we just looked for podcasts that didn’t have many comments.

Ira Glass: I see. So you picked NPR because it didn’t seem very popular.

Ella: Yeah, so that we wouldn’t get caught up in other people’s comments.

Ira Glass: I tell you, buddy, I do a public radio show, and that hurts a little to hear it.

You can listen to the whole episode here (or wherever you get your podcasts) — it’s the very first segment — or watch a shorter version of it on Instagram or YouTube. (thx, alana)

Tags: Ira Glass · NPR · podcasts · spotify · This American Life

  •  

The Age of Wonders and Terrors

Scott Aaranson, theoretical computer scientist writes:

My position on AI is merely the conservative, skeptical position of 2006, updated with intellectual honesty for the reality of late 2026. And that position, if you need me to spell it out, is as follows:

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA

It seems to me that the Singularity has already started; it’s just wildly unevenly distributed. Yes, I still unload the dishwasher and clip my toenails. On the other hand, in whatever years I have left, I don’t expect that I’ll ever again prove a theorem because I’m actually needed to prove it. If I do, it will only be for my or others’ enjoyment or edification.

The test is this: if we took the news of these past few weeks and sent it back in time twenty years, would I agree that it looked like the beginning of an AI Singularity? The intellectually honest answer is: yes, absolutely. But then that’s all we need. No backsies.

I feel like it would be healthy for everyone to stop grinding their ideological axes, their sentiments about Dario Amodei or Sam Altman, for long enough simply to acknowledge that the wonders and terrors are here. They couldn’t be here more clearly if the sky had turned reddish-orange like in the Matrix movies.

It’s here clearly enough that, when I put my kids to sleep at night, I now feel it in the pit of my stomach: what sort of future can they possibly have? What could they learn today that could possibly be relevant to that future? (Yesterday, my 13-year-old daughter joked unprompted that, if she wants to become a mathematician, it now looks like she has maybe two more weeks.) Certainly when my grad students want to discuss what sort of careers might await them on graduation, I no longer have any clue what to tell them.

…For anyone who says AI doom sounds like an apocalyptic religion, that the rationalists/Singulatarians seem like a Bay Area cult, that Eliezer Yudkowsky gives off the vibes of a messianic prophet: yes, yes, and yes. But crucially, today you’re no longer being asked to believe in arguments and extrapolations, but only in the front-page news. Accepting the reality of the coming machine god after it’s solved Navier-Stokes and dozens of other longstanding open math problems (while dramatically ramping up in capability every month), is sort of like accepting Jesus after he’s returned to earth on the gleaming cloud. It’s the epistemic bare minimum.

Yes, there’s still enormous uncertainty about what the rest of our lives will look like, but as far as I can tell, there’s no longer any real uncertainty that it’ll all mostly revolve around AI, and the extent to which we succeed or fail at directing its power toward human flourishing.

By any accounting that doesn’t stack the deck, Eliezer Yudkowsky was right about what the greatest challenge facing civilization in our lifetimes was going to be, and you and I were wrong about it. Why I was wrong is a question I’ll ask myself every day in whatever time remains. But, you know, at least I updated once the prophesied wonders and terrors actually started arriving! If you haven’t done likewise, why haven’t you?

The post The Age of Wonders and Terrors appeared first on Marginal REVOLUTION.

  •  

‘Doom Loop’: OpenAI and Microsoft admits LLMs are destroying the Web and built on theft

Link →

“Our AI content strategy has started a ‘doom loop’ that will hurt the performance of our models and the entire web at the same time: It is highly unusual that an end-product threatens the economic foundations of its essential suppliers, but that is the situation we have created for our LLM business with respect to its ‘content supply chain,’” the document said.

Im Rechtsstreit der New York Times gegen Microsoft und OpenAI kamen nun Dokumente zutage, die offen­baren, dass OpenAI und ihr Financier Microsoft genau wissen, was sie da tun: Sie begehen Urheber­rechts­ver­letzun­gen in einem bislang unge­kannten Ausmaß, die gleichzeitig dazu führen, dass die bestohlenen Content-Lieferanten zugrunde gehen.

[…] Microsoft, in a policy document, wrote that generative AI could “significantly disrupt the employment of the very people who generated the data on which the foundation model was trained […] LLMs are a product that destroys its supply chain.”

Oder um es mit den Worten von OpenAI-Präsident Greg Brockman zu sagen, als er erfuhr, dass seine Kollegen einen Weg gefunden hatten, die Paywall der New York Times zu umgehen:

ah, nice.

  •  

Nachdem auch vom Bahnsteig...

Nachdem auch vom Bahnsteig der neuesten PISA-Studie der Empörungszug wieder abgefahren ist, wurde in den Gedächtnissen wohl nur ein Gedanke hinterlassen: Wir geben zu wenig Geld für Bildung aus. Wenn man die Gesamtsumme außen vor lässt und den Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt wählt, stimmt das. Beim Bezug auf die Schülerzahl stimmt das nicht. Der hinterlassene Gedanke allerdings bietet zwei Vorteile: Er ist einfach und hat einen klaren Schuldigen, der vorzugsweise jemand anders ist. Und er bedient den hierzulande seltsam beliebten Wunsch, jedes Problem so lange mit Geld bewerfen zu wollen, bis es sich in seine eigene Lösung verwandeln möge. Ich möchte daher aus meinem kleinen Abteil des Zuges winken und darauf hinweisen, daß Verbesserungen wie in England nicht nur durch Geld erreicht wurden, und daß in den Artikeln über die Spitzenreiter wie Japan oder Singapur der Begriff des Geldes nicht einmal erwähnt wird.
  •  

A simple model of AI-aided economic growth

The Solow model has its uses, but it fails when it comes to major changes stemming from AI.  Consider instead an economy with (at least) two factors of production:

1. Intelligence.  Yes, formal smarts.  Playing chess, proving math theorems, and doing well on evals.  Don’t forget humans can do those things too, though AIs are now a huge boost here.

2. Polanyi knowledge.  Michael Polanyi, that is.  This refers to knowledge of time and place, inarticulable knowledge, custom and habit, and many other particularities that you can read about in Hayek and Polanyi and in many other social scientists, anthropologists too.

Humans specialize in this.  The AIs can aid in its production, but at least so far there is no way you can “bring an AI into your office and have it figure out how that office works.”  At least not in the human rather than the purely mechanistic sense.

In the model, intelligence and Polanyi knowledge combine to produce output.

Substitutability is fairly limited.  For instance, if you have problems of norms in your office, a mere dose of AI-drenched technocratic knowledge does not usually solve those problems.  Sometimes it even can make those problems worse, by empowering rent-seekers further.

Intelligence and Polanyi knowledge are not quite Leontief complements, but they are mostly complements.

Now recently the U.S. economy has experienced a huge positive shock to its Intelligence, with more to come.

The core prediction is that this increases marginal returns, employment, and real wages in the Polanyi knowledge sector.  All of a sudden, the inputs into that sector are relatively scarce, compared to the now-larger quantity of Intelligence.

There will also be some transitional unemployment in the Intelligence sector, at least once Centaur models fade.  But so far Centaur models are holding, for instance mathematicians did the prompting to do the new math work.  Nonetheless some of these Centaur employments will fade, just as they have in chess.

Note that the Polanyi sector cannot be boosted very quickly or with direct and simple efficacy.  It is messy by its nature, to cite a term from Luis Garicano.  So the wage and employment gains there are slow in coming.  But they keep on coming for a long period of time.  There are further AI/Intelligence advances on tap, plus absorbing the advances to date, and exploiting them, takes a long time.

In this model, if someone or something could “commandeer” the Intelligence sector, their power over society would be much more limited than it might appear at first.  The world does not change that much at first, because the necessary complements are lacking.

The Solow model usually does fine by ignoring these features of the world, in part because it is rare for the Intelligence sector to take such a rapid swing upwards.  So the ratios and complementarities across these two sectors usually are fairly constant in the short run, though not in 2026 or in the next years to come.

I recall talking through this model, and debating it with people, when I was seventeen years old.  The impetus for that was the Soviet preoccupation with cybernetics, central planning, and possible supercomputers.  We were all wondering what kinds of economic improvements that might lead to, or whether it could make central planning successful (no, basically, but that involves some yet further arguments).

Of course this very simple model can be improved upon in many ways, but it is a start.

This very simple model so far is matching up to the data, namely that we have shocking AI and tech advances, the job market is doing fine, markets do not see high risk, and economic growth is robust, not exploding, but likely will rise in the future.  These predictions change somewhat as the Polanyi sector, slowly, catches up to and incorporates the Intelligence explosion.

In the meantime, this is the best basic framework for understanding our current situation.

The post A simple model of AI-aided economic growth appeared first on Marginal REVOLUTION.

  •  

Warum mich saudisches Öl eben doch interessiert (obwohl ich Fahrrad fahre)

Niemand schafft es, die geopolitische Lage so prägnant auf den Punkt zu bringen wie Markus Fugmann, Experte für historische Wirtschaftszyklen & globale Zusammenhänge. Seinen abgründigen Humor bekommt man allerdings nur in seinen Videos zur Situation mit, die er während der Woche zweimal täglich veröffentlicht. Dass er nicht allgemein als relevante Info-Quelle bekannt ist, liegt an seinem Fokus auf „die Märkte“, insbesondere die US-amerikanischen, was ihn für die Mehrheit hierzulande uninteressant macht, wenn nicht sogar dem „Reich des Bösen“ (Finanzkasino!) zuordnet. Aber keine Sorge, im folgenden Langzitat aus seinem aktuellsten Video zur Lage im Irankrieg werdet Ihr davon nichts lesen:

Lenin hat einmal den Satz gesagt: „Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert, und es gibt Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.“ Wir befinden uns in genau diesen Wochen, denn das gesamte geopolitische Gefüge verschiebt sich – und zwar zu Ungunsten der Amerikaner. Am 25. Jahrestag von 9/11 sind die Amerikaner im Grunde als Supermacht erledigt. Das lässt sich an zwei Dingen festmachen:

  • Erstens hat Donald Trump sich geweigert, Mohammed bin Salman – dem starken Mann Saudi-Arabiens – Hilfe zu leisten. Dieser hatte ihn zweimal angerufen, nachdem die Huthis die Kontrolle über den Zugang zum Roten Meer (Bab al-Mandab) erlangt und vor allem die Pipeline beschädigt hatten, die für die Saudis als Umgehung der gesperrten Straße von Hormus diente. Trump verweigerte die Hilfe mit der Begründung, sich vor den Zwischenwahlen nicht in eine solche Geschichte hineinziehen lassen zu wollen. Das ist ein klarer Bruch des sogenannten Petrodollar-Deals von 1974. Henry Kissinger schloss damals diesen Deal mit dem saudischen König: Wenn Öl gefördert wird, wird es ausschließlich in US-Dollar verkauft. Mit diesen Dollars kaufen die Saudis US-Staatsanleihen oder US-Aktien, während die Amerikaner im Gegenzug militärischen Schutz garantieren. Genau diesen Schutz verweigert Donald Trump nun.

  • Zweitens: Weil die Amerikaner immer schwächer werden und die Golfstaaten erkennen, dass sie durch die USA nicht geschützt werden können (was der Iran-Krieg gezeigt hat), treffen sie sich am Montag direkt in Teheran.

Wie ich mittlerweile in den Nachrichten gehört habe, sind immerhin ein paar „militärische Berater“ bei den Saudis aktiv, wobei aber Wert darauf gelegt wird, dass diese in keiner Weise ins kriegerische Geschehen eingreifen. Die Huthies sind drauf und dran, die Ausweichroute über die Meerenge zum Roten Meer unter ihre Kontrolle zu bekommen. Saudischen Schiffen verbieten sie die Durchfahrt und deren Pipeline durch die Wüste haben sie mit Drohnen beschossen, so dass sie abgestellt werden musste.

Ich mag mir garnicht ausmalen, was das für eine Umweltverschmutzung ergeben hat! Kilometerweit konnten Satelliten dichte Rauchwolken über der Wüste erkennen, durch die Treffer wurden Menschen verletzt und Ruß, CO₂ und giftige Verbrennungsprodukten frei gesetzt. Auch das Beschießen und Versenken von Tankschiffen (US-Vergeltung wg. iranischer Angriffe auf Kriegsschiffe) geht gewiss nicht ohne massive Umweltschäden ab – aber darüber hören wir keine Berichte!

Ich fahre Fahrrad, was interessiert mich Saudisches Öl?

Ja, eigentlich könnte man doch denken: Prima, Benzin und Diesel werden immer teuer (jetzt plus 7 und 9 Cent pro Liter), also wird der Autoverkehr abnehmen – gut für die Umwelt! Allerdings führt das auch zu immer mehr Preissteigerungen bei allen Gütern, denn diese werden ja mehrheitlich in Diesel-Lastern geliefert. Und der Volkszorn, der sich bei jedem Tanken steigert, den weiß die AFD zu kanalisieren: Die Preise seien politisch bedingt, sie fordert „Tankrabatt“ durch Verzicht auf Steuern und Erhöhung der Pendlerpauschale, was zwar die Autofahrer entlasten, aber Milliardenlöcher in den eh schon klammen Staatshaushalt reißen würde. Geld, das z.B. beim Erhalt von Straßen, Brücken und dem Ausbau der teils maroden Infrastruktur fehlen würde. Und na klar, man soll wieder russisches Gas und Öl beziehen…

Zum Schluss was Positives? Gibts: Positive Kipppunkte: Exeter-Report kürt sauberen Strom zum stärksten Hebel

Update 13.9.: Die Golfstaaten treffen sich in Oman, nicht in Teheran – so die Tagesschau.

***

Und sonst:

  •  

Plugins, Plugins, Plugins

In den vergangenen Tagen hat sich viel getan und weil ich niemanden mit Blogsposts zuspammen will, hier jetzt ein Sammelpost zu den wichtigsten Änderungen.

Plugins umgezogen

Für die Firma habe ich zwei Kirby-Plugins gewartet. Diese wandern nun komplett zu mir rüber. Dabei handelt es sich um:

  1. AutoPublish
  2. Ex Calendar View, jetzt Content Calendar

Beide Plugins funktionieren wie gewohnt, sie sind jetzt nur eben über meinen Namespace zu finden. Neue Repos und Pakete stehen bereit und bestimmt sind sie auch bald im offiziellen Kirby-Plugin-Verzeichnis zu finden.

Wichtige Änderung!

Da sich bei beiden Plugins der Namespace geändert hat, müsst ihr eure configs anpassen! Im Wesentlichen von konzentrik auf mauricerenck ändern. Bitte schaut euch im Zweifel die Readme-Dateien an!

Neues, altes Plugin

Seit einer Ewigkeit liegt das UberBlogr-Kirby-Plugin bei mir herum, dabei ist es schon seit Monaten fertig. Heute bin ich nun endlich dazu gekommen, ein entsprechendes Paket bereitzustellen. Es ist jetzt also installierbar.

Das Plugin löst das alte Bloggerolle-Plugin ab, weil es den Dienst in der Form nicht mehr gibt. Er ist mehr oder weniger in UberBlogr aufgegangen. Wer das alte Plugin nutzt, sollte es deinstallieren, das neue installieren und dann einmal seine config anpassen, also eigentlich nur von bloggerrolle auf uberblogr umbenennen.

Bei Updates in euren Blogs, wird dann automatisch UberBlogr angepingt.

Blogrolls

Gerade machen Blogrolls die Runde. Blogrolls, die gibt es schon fast so lange wie es Blogs gibt, aber durch eine neue Rivva-Funktion werden sie nun wieder etwas ins Rampenlicht gezogen.

Denn Rivva liest nun Blogrolls ein, sofern sie maschinenlesbar sind, und zeigt diese als Follow-Empfehlungen an. Wie man eine solche Blogroll erstellt, lässt sich hier nachlesen. Erfreulicherweise gibt es dafür schon ein WordPress- und auch ein Kirby-Plugin, die einem das Erstellen einfach machen.

Für mich war das allerdings keine Option, weil ich meine Blogroll nun schon hatte und sie nicht umziehen bzw. großartig umbauen wollte. Deshalb habe ich sie jetzt den Anforderungen gemäß angepasst – hoffentlich richtig. Das Ganze ist ein wenig mit der heißen Nadel gestrickt: https://maurice-renck.de/blog/blogroll

Ich kann meine Blogroll in Kategorien aufteilen, die man bei Bedarf auch einzeln als OPML abonnieren kann. Im Zuge dessen habe ich dann auch erst mal ein paar Blogs aus der Liste ausgeblendet. Ich muss da mal durchgehen, kategorisieren, Feed-URLs prüfen usw. Da waren doch einige Blogs in der Liste, die gar nicht mehr aktiv sind oder bei denen die Feed-URL sich geändert hat. Die Liste wird also bestimmt künftig wieder wachsen.

Wer etwas über den deutschsprachigen Tellerrand schauen will, findet unter blogroll.org eine ebenfalls schön aufgemachte Liste von Blogs mit Blogrolls.

Viel Spaß beim Stöbern.

  •