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HyperTexting, a social news feed, powered by the open social web

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HyperTexting is your timeline minus the ads, algorithms, and AI slop. It’s like the „for you“ feed, but it actually works… for YOU (not the platforms).

HyperTexting ist eine neue iOS-App von Brooke & Caleb Hailey von Herd Works, die Beiträge von Websites in einer chrono­logischen Newsfeed-Timeline darstellt, wie man sie aus den diversen Social-Apps kennt. Da alles auf RSS-Feeds basiert, heißt der vier Monate alte Introduction-Post konsequenter­weise auch “Welcome to the Feediverse”, was gar kein so schlechter Wortwitz ist, aber bei Fediversierten™ für Verwirrung sorgt.

Bei TechCrunch gibt es ebenfalls einen ausführlichen, gut bebilderten Artikel zur App, die im nächsten Schritt auch das Posten zu WordPress-, Ghost- und anderen Websites ermög­lichen will, um eine direkte, bi­direktionale Nutzung zu ermöglichen. Dabei funktioniert all das on device und ist aktuell zu 100% kostenlos.

Ein vielversprechender Start, allerdings war ich neben dem „Feediverse“ etwas irritiert, dass Mastodon- und Bluesky-Feeds nicht auch schon dabei sind – vor allem, weil die Profile in HyperTexting den gleichen Aufbau wie bei Bluesky haben (etwa @eay.cc für diese Website). Nichtsdesto­trotz toll, dass es einen weiteren, interessanten Open-Web-Client gibt. Vor allem, wenn Discovery und demnächst Posten bereits mit von der Partie sind.

Make HyperText.

Ich bin mittlerweile auch sehr von scrollbaren Newsfeeds/Timelines für meinen RSS-Feed-Konsum bzw. ein Subset davon angetan, was ich mit dem hervor­ragenden Tapestry abbilde und generell sehr empfehlen kann. Und Fun-Fact: Herd Works‘ Safari-Extension The Magic Highlighter, die einem nach Suchanfragen die Suchbegriffe auf den Zielseiten highlighted, nutze ich auch schon seit Release in 2023 begeistert.

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Medieval Wound Man

From The Public Domain Review, The Many Lives of the Medieval Wound Man, a diagram found in many medical texts beginning in the early 1400s.

Living on today in libraries from Copenhagen to Munich, the strange figure of the Wound Man gives modern viewers a glimpse of the worrying injuries that the medieval body could receive through war, accident, and epidemic. But at the same time, it shows that medieval people did not think of themselves as helpless victims in the face of these assaults. Far from reinforcing the common perception of the European Middle Ages as a backwards and bloody period of human history, the Wound Man reminds us that it was in fact a period busy with innovative medical treatments, a vital link between the long-standing cures of the classical world and developments that were to follow in early Renaissance medicine.

Tags: illustration · medicine

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25 Jahre vowe.net

Heute gibt es vowe.net seit 25 Jahren. Es hat viel erlebt – und vieles überlebt.

Vor einem Vierteljahrhundert suchte ich eine Möglichkeit, fortlaufend neue Beiträge auf meine Website zu schreiben. Damals hatte ich mich gerade mit Groove beschäftig, einer Peer-to-Peer Kollaboration, die schlussendlich von Microsoft aufgekauft wurde. Groove war cool, aber ich konnte darin nur einen sehr begrenzten Personenkreis erreichen. Also habe ich ein bisschen Software zusammengelötet, die Groove-Nachrichten auf diese Website schrieb, mit einem Umweg über Blogger.com. Das hier war der erste Beitrag.

Irgendwann war ich soweit, dass ich ein richtiges Content Management System brauchte und ich entschied mich für Movable Type, dem ich zwanzig Jahre treu blieb. Vor fünf Jahren bin ich dann zu WordPress gewechselt.

Das CMS wurde wichtig, weil ich auch Kommentare akzeptieren wollte. Das ist nicht ohne Herausforderung, wie man an anderen Stellen im Internet sehen kann. Zunächst habe ich jedermann erlaubt, zu kommentieren. Und als der Umgangston schwieriger wurde, begann ich, unpassende Kommentare einfach zu löschen. Heute sind Kommentare generell erst mal gesperrt, bis ich sie freigebe. Wenn sie die Mindestanforderungen (vollständiger Name, freundliche Grundstimmung) nicht erfüllen, schmeiße ich sie weg. Ein Spamfilter hält die schlimmsten Auswüchse fern.

Wie wähle ich aus, über was ich schreibe? Ganz einfach: Es muss mich interessieren, ich muss mich einigermaßen damit auskennen und es muss mir Freude machen. Es gibt zum Beispiel keine politischen Beiträge. Ich setze mich auch nicht mit Personen auseinander, sondern nur mit Sachen. Generelle Regel: Ich schreibe nur über Dinge, die ich selbst ausprobiert habe.

Ich habe einige Hypes einfach ignoriert, etwa New Work, Blockchain, NFTs oder aktuell AI. Das sind ausnahmslos Gelegenheiten gewesen, einen schnellen Consulting-Euro zu verdienen, aber sie haben mich einfach gelangweilt, als ich sie erst mal verstanden habe.

Die Themen kommen und gehen. Die Menschen bleiben. Aus dieser Website haben sich viele Freundschaften entwickelt.

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Die Sandkastenrocker von der Reförmchenbande


Es gab keinen sachlichen Grund, es gesetzlich festzunageln, dass ab dem ersten Krankheitstag eine AU vorliegen muss. Laut Entgeltfortzahlungsgesetz konnten Arbeitgeber schon jetzt ein Attest ab Tag eins verlangen, und zwar ohne Angabe von Gründen. Auch die telefonische Krankschreibung soll wieder abgeschafft werden. Was auch hier zu erwähnen ist: Neupatient:innen durften schon jetzt nicht einfach telefonisch krankgeschrieben werden, sondern nur solche, die in der Praxis bereits bekannt sind (Ärzt:innen können durchaus in Verlegenheit geraten, wenn Arbeitgeber:innen bei begründeren Verdacht die KAV kontaktieren). Außerdem war das telefonische Verfahren auf fünf Tage AU befristet.

Und so werden sich ab Herbst wieder massig Infizierte sich in kuschelig feuchtwarme, schon jetzt heillos überlastete allgemeinmedizinische Praxen quetschen und die Virenlast so richtig erhöhen. Übrigens: Eine Freundin von mir ist Migränepatientin. Die hat alle paar Wochen einen Anfall, der sie für einen bis drei Tage komplett ausknockt und handlungsunfähig macht. (Ihr Arbeitgeber trägt das zum Glück mit.) Wie sie künftig im Falle eines akuten Anfalls zu ihrer Arztpraxis gelangen soll, um sich eine AU zu holen, ist mir schleierhaft. Ich habe sie noch nicht nach ihrer Meinung gefragt, aber sie wird es mit Vergnügen zur Kenntnis genommen haben.

Begründet wird der Quark mit der Nicht-Meldung, die Krankschreibungen seien seit 2022 sprunghaft angestiegen. Das hängt aber vor allem damit zusammen, dass ab diesem Zeitpunkt durch die digitale Übermittlung an die Krankenkassen jeder krankheitsbedingte Fehltag erfasst wird. Bis dahin mussten Arbeitnehmer:innen eine Ausfertigung der AU an ihre Krankenkasse schicken, was aber bei Erkrankungen, die weniger als sechs Wochen dauern, kaum jemand gemacht hat. Jemand wies auch noch auf folgendes hin:

"Karenztage, an denen es kein Krankengeld gibt und die Arbeitgeber nicht verpflichtet sind, den Lohn weiterzuzahlen, gibt es in einigen europäischen Ländern. Und dort tendieren die meisten Arbeitgeber dazu, dann für diese Karenztage den Lohn freiwillig weiterzuzahlen, weil es ein bürokratischer Aufwand ist, den überzahlten Lohn zurückzufordern (und dann diese Forderung bei der nächsten Lohnzahlung zu verrechnen). In Deutschland ist das übrigens wegen der Sozialversicherungsbeiträge ein noch viel größerer Aufwand, denn dann stellt sich ja die Frage, wie der AG an die Anteile kommt, die er bezahlt hat, darf er die dann auch bei einer künftigen Lohnzahlung einfach einbehalten? Muss er die von der Sozialversicherung zurückfordern, und die Sozialversicherung wendet sich dann an den Arbeitnehmer? Und was ist mit den AG-Anteilen für den Tag?"

Vieles spricht also dafür, dass die Maßnahmen nichts verbessern, nichts erleichtern und kaum zählbare Einsparungen bringen werden, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, nach der dauernden Hetzpropaganda gegen Arbeitslose und Migrant:innen nunmehr das Gros der abhängig Beschäftigten a priori als potenzielle Drückeberger, und Schmarotzer zu framen, die es sich in einer imaginierten sozialen Hängematte bequem machen. Warum? Sagte Chris letztens schon: Arbeitskräftemangel. Weil man Immigration im großen Stil als Ausweg in maßgeblichen Teilen des medial-politisch-industriellen Komplexes nicht wünscht, muss der Druck auf hiesige Arbeitskräfte eben erhöht werden. 

Das bewährte Prinzip dabei ist immer dasselbe: Was sind schon lästige Fakten, wenn Bauchgefühl und Ressentiment es auch tun. Zumal es so schön von anderen Dingen ablenkt, wie etwa Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit oder die immer noch nicht durchgesetzte Pflicht zur Arbeitszeiterfassung.

Doch frohlocket! Es ist doch nicht alles schlecht!. So wird ja nun auch die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen gesenkt. Damit ist bislang noch jede Regierung der letzten Jahrzehnte angetreten, jetzt aber der große Wurf: 600 Euro pro Jahr Steuerersparnis für Einkommen bis 60.000 EUR p.a. Gut, sehen wir davon gab, dass das nur für Familien mit zwei Kindern gilt, dass weniger Einkommensteuer höheres Brutto bedeutet, wovon qua Progression wieder ein Teil steuerlich abgezwackt werden wird, aber wir wollen nicht zu pingelig sein. Gleichzeitig laufen ja ein paar andere große Reformen vom Stapel, darunter die Gesundheitsreform. Vor allem bei der GKV muss gespart werden (warum eigentlich nie bei der PKV?). Diese Einsparungen werden überwiegend von denen getragen, denen soeben fünfzig Euro brutto mehr im Monat spendiert werden sollen.

Stimmt doch gar nicht. Man bezahlt gleichzeitig 1% Rentenversicherung mehr, kriegt kein Wohngeld mehr, kürzer Elterngeld, weniger Rente wegen weniger Anrechnung der Pflege von Angehörigen, weniger Pflegegeld etc. Das ist weit mehr Belastung als die 53 Euro Entlastung.

— Hibiscus (@HibiscusInsular) July 2, 2026

Nur dass jetzt niemand so: "Yäy, Fuffi im Monat! Einmal Pizza essen gehen! Paar neue Noname-Sneaker! Geil! Danke, Schwarzrot!" Und sich dann wundert, wo die Kohle bleibt.







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Von RSS verabschieden oder damit umgehen lernen?

In meinem Feedreader bin ich auf gleich zwei Beiträge gestoßen, in denen zwei Autoren – der eine vom anderen motiviert – über ihren Abschied von RSS berichten. Beide sind von der schieren Menge an Beiträgen, die sie via RSS empfangen haben, überwältigt. Beide beschreiben ein Problem, das ich nicht dem RSS-Protokoll zuschreiben würde, sondern ihrer Art, Feeds zu abonnieren.

Jon berichtet, sein digitales Leben bereinigen zu wollen. Das Lesen von RSS-Feeds fühlt sich für ihn wie Arbeit, vor allem aber wie das Scrollen in den Sozialen Medien an. Deshalb gibt er das Lesen über RSS auf.

The constant need to check rss feeds was as bad for me as a regular social media network. It made me feel like work too. […] I prefer visiting blog sites and enjoying their personal designs. It gives me a chance to check their other interesting pages like blogrolls, uses and now, for example. […] I feel the enshittification of everything digital and analog has beaten me down. It is hard to get away from it but the best I can do for myself is have less of it in my every day life.

Jon

Jon hat sich in meinen Augen selbst zum Algorithmus gemacht. Anstatt zu lesen, was ihn interessiert, widmet er sich der Arbeit des Sortierens, um mit der Nachrichtenflut zurechtzukommen. Wenn aber Jon sich selbst zum Algorithmus macht, um interessante Dinge zu finden, dann wundert es mich nicht, dass er diese Tätigkeit als Arbeit empfindet. Die Enshittification greift massiv ins digitale Leben von uns allen ein, aber in diesem Fall scheint mir das Problem selbst erzeugt zu sein.

Nicht viel anders Michał Sapka. Wie Jon beschreibt auch er nicht ein Problem des Protokolls, sondern eines übervollen Feedreaders. Er schreibt von Arbeit, von hunderten von Nachrichten, die er in einem Rutsch als gelesen markieren muss, um RSS nutzen zu können.

I’d open my RSS reader after a few days away and find a hundred unread posts. I’d mark them all as read. That was my reading habit. […] Someone’s writings had become noise I treated no better than a teenager scrolling past a picture on Facebook Instagram. To counteract that, I stopped using RSS. […] I want my usage of The Internet to be as conscious of an act as possible. No algorithm, no spam, no „Orange Site“, and now no RSS. […] Link dumps are great and preselected by someone I already trust enough. But I don’t treat any of those as a second job, while keeping up with an RSS flood was too much hustle to still get joy from. […] The surprising gift of this change was rediscovering how beautiful the small web is. People spend months adjusting their designs, just for it to be hidden behind some RSS reader.

Michał Sapka

Es ist eh super, dass beide Autoren nun die Websites und Blogs derer besuchen, deren Nachrichten sie tatsächlich interessieren. Und ja, so soll es auch sein. Und ja, das Small Web ist schön. Aber das ändert nichts daran, dass ihre Nutzung von RSS schlichtweg falsch war.

Interessant ist, dass dieses Problem keineswegs neu ist. Marco Arment beschrieb bereits 2011 nahezu dieselbe Situation und schlug eine einfache Lösung vor: Abonniere weniger, abonniere seltener. Wer seinen Feedreader erst aufräumen muss, um an relevante Nachrichten zu kommen, hat zu viele Websites im Feedreader abonniert. Das ist kein Fehler der Technologie, sondern eine Folge des eigenen Nutzungsverhaltens. Verändert man es, erfüllt RSS einwandfrei seinen Zweck. Jon und Michał haben nicht ihr Nutzungsverhalten hinterfragt, sondern die Technologie verantwortlich gemacht.

Und ich? Ich abonniere wie ein Messie. Aber ich sortiere auch regelmäßig aus. So richtig zum Lesen von Feeds komme ich oft nur am Wochenende. Die Lektüre beginnt allerdings mit einer kleinen Reinigungshandlung: Feedbin zeigt neben jedem abonnierten Feed die Anzahl der ungelesenen Nachrichten. Bleibt diese Zahl mehr als zwei Wochen lang zweistellig, beende ich mein Abonnement. Bei Blogs, die regelmäßig mehr als 9 Beiträge pro Woche veröffentlichen, zweifle ich an der Qualität. Meiner Erfahrung nach sind mindestens 8 davon entbehrlich. Linkblogs nehme ich von dieser Regel aus. Dort sind deutlich mehr Einträge pro Woche üblich.

So habe ich es nun schon über mehr als zwei Jahrzehnte geschafft, meinen Feedreader weiterhin als Freude, Freizeit und Spaß zu empfinden und ihn gerne beim morgendlichen Kaffee aufzurufen, um die wichtigen und unwichtigen Neuigkeiten von euch Geeks da draußen serviert zu bekommen.

Quelle

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2000-Year-Old Roman Theater Hosts World Cup Watch Party

Fulfilling the purpose for which it was built almost 2000 years ago, football fans packed the Roman Theatre of Amman to watch the Jordan v Algeria World Cup match. I don’t know whether Roman rulers, builders, and architects envisioned their works would remain standing & useful millennia after their construction, but longevity is certainly not a priority these days.

Here’s a video of Jordan fans watching their opener vs Austria in the theater:

Update: I’ve learned something today: a theater and an amphitheater are two different things. I’ve corrected my post. (thx, francesca)

Tags: Jordan · soccer · sports · video · World Cup 2026

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Was Gruber dachte, sagen zu wollen

John Gruber beschwert sich über Cotypist, eine App, die beim Schreiben den Kontext analysiert und Wörter, Sätze, ja ganze Absätze zur Übernahme anbietet. Was Cotypist leistet, so Gruber, sei nicht mit banaler Autovervollständigung zu vergleichen. Die App wirbt zwar damit, den Prozess des Schreibens lediglich zu beschleunigen, tatsächlich liefert sie jedoch inhaltlich passende, stilistisch präzise Textprädiktion. Das funktioniert „zu gut“, meint Gruber. Er muss damit klarkommen, dass sein „Denken“ nicht einzigartig, sondern vorhersagbar scheint. Aber er bleibt fair und nimmt die Technologie ernst.

[Cotypist’s] suggestions are so good, and so often on-point for what I intend to write. […] It’s like having a voice in my ear whispering my own thoughts before I think them. But are they my thoughts, or are they just close to my thoughts? They’re so close I can’t tell. And thus the experience of seeing these words appear before I’ve typed them feels more like a curse than a blessing […]. I’d find Cotypist far less distracting if its suggestions weren’t as good — but in that case it wouldn’t be nearly as interesting or useful, and I wouldn’t be writing about it at all.

But I’m a writer. I enjoy writing. Writing is probably the most satisfying and fulfilling thing I do in life. I enjoy picking every word as I get to it. I find a blinking insertion point in the middle of a good but half-written sentence to be thrilling.

John Gruber

Wenn Cotypist hält, was es verspricht, dann ist die App Rettung für alle, die gezwungen sind, Gebrauchstexte zu verfassen. Das stupide Wiederkäuen standardisierter Floskeln ist ohnehin eine Beleidigung des Geistes. Wenn ein „Schriftstück“ aufgesetzt und mit einigen wenigen Referenzen zum wahren Leben da draußen gefüllt wird (Namen, Orte, Handlungen), dann ist das kein kreativer Versuch, es in seiner Fülle abzubilden. Diese Sprache übersetzt das Leben in rechtliche Einheiten mit eigener Logik. Ihr Formalismus entpuppt sich als Algorithmus, mühsam ins Wort übersetzt. Braucht diese Art von formalisierter Sprache überhaupt ein Tool wie Cotypist? Nein. Cotypist ist dafür zu kreativ. Dennoch frage ich mich, warum diese seelenlose, einem Skript folgende Arbeit nicht längst von Programmen erledigt wird. Sollen doch Maschinen die Menschen von dieser monotonen Arbeit, ihren Routinen und dem Formalismus befreien. Denn diese Befreiung, so wusste schon Heimito von Doderer, ist es, was zur „Menschwerdung“ seines Amtsrates Julius Zihal führen würde. Erst dort beginnt Schreiben wieder mehr zu sein als die mechanische Fortsetzung vorgefertigter Formulierungen. Genau an dieser Stelle wird Grubers Irritation verständlich.

Ich habe John Grubers Statement nicht wegen des vielen versteckten Lobes für die App zitiert, sondern wegen seiner impliziten Anmerkung darüber, wie sie ihn daran hindert, einen eigenen Gedanken zu entwickeln, bevor er als Text auf einem Bildschirm erscheint. Er schreibt wörtlich, Cotypist zu nutzen fühle sich an, als ob man seine eigenen Worte lese, obwohl der Kopf sich noch gar nicht dafür entschieden hat. Er fragt sich, ob das, was man da liest, die ins geschriebene Wort manifestierte Idee des Autors ist oder bloß die passive Übernahme eines algorithmisch generierten Entwurfs. Weil Cotypist beide Prozesse zeitlich so nah zusammenführt, ist man sich als Autor wohl nicht einmal mehr selbst sicher, wo genau die Trennlinie zwischen gedacht und generiert verläuft. Allein diese Unsicherheit macht die zweite Möglichkeit plausibel. Übernimmt ein Autor den Text in der Freude über die gelungene Formulierung, verliert er womöglich die Kontrolle über das, was er eigentlich sagen wollte. Da reicht bereits eine subtile Tonalität, die den Sinn verändern kann.

Natürlich bleibt der initiale Funke, die Idee und Motivation bei Gruber, schließlich muss er die Maschine anwerfen, indem er zu tippen beginnt. Doch ab jetzt passiert etwas, das das Gefüge der Autorenschaft fundamental verändert: Die Maschine verschiebt die Beziehung zwischen Denken und Schreiben. Der Mensch liefert den Impuls und entscheidet über die Übernahme des Vorschlags. Gerade die zeitliche Nähe zwischen Idee und Formulierung macht jedoch deutlich, wie unscharf die Grenze geworden ist. Die zentrale Frage lautet daher: Wenn das, was die App dem Autor vorschlägt, so nah an dem ist, was er dachte, sagen zu wollen, wem gehört dann die zu Wort gewordene Idee? Wer ist, die Frage darf hier gerne wortwörtlich gelesen werden, der Urheber des verschriftlichten Gedankens? John Gruber oder die KI?

Das eigentliche Problem liegt nicht im falschen Vorschlag und auch nicht im perfekten Treffer. Problematisch ist die Zone dazwischen. Ein Vorschlag kann dem Gedanken so nahe kommen, dass man ihn übernimmt, ohne zu bemerken, wie sehr er ihn zugleich verändert. Bedeutungen verschieben sich oft nicht abrupt, sondern graduell. Ein einzelnes Wort, eine leichte Tonalität oder eine bevorzugte Formulierung genügen. Jede Formulierung lenkt den Gedanken in eine bestimmte Richtung. Der Text wirkt wie der eigene, und doch entsteht etwas Fremdes.

Das eigentliche Leben eines Gedankens dauert nur bis er an den Gränzpunkt der Worte angelangt ist: da petrificirt er, ist fortan todt, aber unverwüstlich, gleich den versteinerten Thieren und Pflanzen der Vorwelt. […] Sobald nämlich unser Denken Worte gefunden hat, ist es schon nicht mehr innig, noch im tiefsten Grunde ernst. Wo es anfangt für Andere dazuseyn, hört es auf, in uns zu leben; wie das Kind sich von der Mutter ablöst, wann es ins eigene Daseyn tritt.

Arthur Schopenhauer

Was macht es mit uns, wenn zwei bislang vollständig voneinander getrennte Prozesse – das Schreiben und das Lesen nämlich – plötzlich zu einer Einheit verschmelzen und das geschriebene Wort als Scharnier für die Funktion des Denkens an Bedeutung verliert, indem es existiert, noch bevor wir zu denken begonnen haben? Bislang galt der Zusammenhang von Gedanke zu Wort, die Synthese eigenständigen Denkens mit selbsttätigem Schreiben, als wesentlich. Apps wie Cotypist verändern das, indem sie verdeutlichen, dass der Zeitpunkt, der Moment also, in dem die Intention ins Wort kippt, weitaus bedeutsamer sein kann. Es ist der Zeitpunkt, nicht der Zusammenhang, der zählt. Wenn das Wort bereits auf dem Bildschirm prangt, bevor der Gedanke seinen natürlichen „Gränzpunkt“ erreicht hat, wird der Prozess der Wortwerdung von der Maschine abgefangen. Sie zeigt uns, dass vieles von dem, was wir als Ausdruck unserer Individualität begreifen, mittlerweile zu einer statistischen Wahrscheinlichkeit geworden ist. Unser Denken gerät in den Sog statistischer Vorwegnahme: Freudig sehen wir die Worte der Autovervollständigung, während das Wort in uns nie zu leben begonnen hat. Schopenhauers Kind löst sich nicht mehr von seiner Mutter. Es erscheint bereits fertig vor ihr. Wir werden lernen und uns entscheiden müssen, ob wir diesen Limbo der Wortwerdung annehmen oder ablehnen. Vor allem aber werden wir uns entscheiden müssen, ob wir ihn wollen.

Wenn wir das Paradoxon allerdings akzeptieren, dann degradieren wir das, was einer wie John Gruber gerne tut, zur Schablone. Das erleuchtete Fenster erlischt. Schriftsteller, Autor oder Blogger zu sein, bedeutet dann, Inhalte zu moderieren, die wir nie geschrieben und womöglich in dieser Form nie gedacht, sondern ausgewählt und mit einem Klick bestätigt haben. Weil es aber unser Text sein soll, korrigieren und moderieren wir, was „wir“ produziert haben. Das ist nicht Teil eines noch offenen kreativen Prozesses, sondern erfolgt post festum, wie bei der Begutachtung der Texte Dritter. Nur sind wir dieser Dritte.

Zurück zu den profanen Dingen: Cotypist kann man 30 Tage lang kostenfrei ausprobieren. Natürlich werde ich das tun und berichten, wie es mir damit ergangen ist. Mich interessiert besonders, ob der Slogan, mit dem die App antritt – „your work, written with AI – not by AI“ – eingelöst werden kann. Nach allem, was wir gerade besprochen haben, ist das nämlich nicht nur ein Marketingversprechen, sondern eine fundamentale Frage unseres Verständnisses von Autorenschaft.

Quelle

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blogdings 2004 und jetzt

face­book gibts seit 2004, aber es dau­er­te noch min­des­tens vier jah­re, bis man es in deutsch­land be­nut­zen konn­te. so­zia­le netz­wer­ke ent­stan­den in die­ser zeit ge­ra­de, in die­sem bei­trag von 2004 er­wäh­ne ich ei­nen dienst der „fri­enster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr er­in­nern kann. über das blog­gen schrieb ich da­mals das hier:

die per­son hin­ter ei­nem web­log, ihre glaub­wür­dig­keit und das ver­trau­en das sie sich er­schrie­ben hat, steht am an­fang. je­des blog ist durch links, link-hubs und link-zäh­ler, ag­gre­ga­to­ren, blogrolls und kom­men­tar­funk­tio­nen in eine art so­zia­les netz von ver­trau­en, emp­feh­lun­gen und be­wer­tun­gen ein­ge­bet­tet. die­ses so­zia­le netz geht jetzt schon über sys­te­me wie „fri­enster“ hin­aus. es funk­tio­niert vor al­lem jetzt schon.

blogs funk­tio­nier­ten da­mals „in sich“, sie ver­netz­ten sich im wort­sinn durch ge­gen­sei­ti­ge ver­lin­kun­gen, in­ter­ak­tio­nen (kom­men­ta­re), blogrol­len (link­lis­ten) und durch die hil­fe von ag­gre­ga­to­ren und teil­wei­se auch such­ma­schi­nen. aus­ser­dem wa­ren blogs im­mer schon abon­nier­bar mit RSS. das war tech­nisch et­was an­spruchs­vol­ler als eine web­sei­te/ein blog im brow­ser auf­zu­ru­fen, aber gute RSS-rea­der oder -cli­ents gabs auch schon da­mals. der reiz, da­mals wie heu­te, von RSS ist na­tür­lich die ag­gre­ga­ti­on: neue ar­ti­kel wer­den oben an­ge­zeigt, wie in ei­nem blog, nur dass man sich in sei­nem rea­der dut­zen­de oder hun­der­te blogs zu­sam­men­stel­len konn­te und so den über­blick über neue bei­trä­ge be­hal­ten konn­te.

nicht zu un­ter­schät­zen, un­ge­fähr 2005 kam goog­le mit dem goog­le rea­der. der goog­le rea­der mach­te RSS-feeds ein­fach zu­gäng­lich. ich weiss nicht mehr wie das ge­nau funk­tio­nier­te, aber die ein­gangs­schwel­le zum goog­le rea­der war nied­rig und ein­mal drin war es ein­fach blogs zu fol­gen. et­was spä­ter ka­men emp­feh­lungs­funk­tio­nen für ein­zel­ne bei­trä­ge dazu, mit dem man ge­le­se­ne bei­trä­ge wei­ter­emp­feh­len und (wenn ich mich recht er­in­ne­re) auch mit ei­nem kom­men­tar ver­se­hen konn­te.

2013 en­de­te der goog­le rea­der, weil goog­le eine be­klopp­te idee na­mens goog­le plus hat­te. wozu das gut sein soll­te ver­stand da­mals aus­ser­halb von goog­le nie­mand und ir­gend­wann ver­stand das bei goog­le auch nie­mand mehr und goog­le plus wur­de auch ein­ge­stellt. vie­le sa­hen das als eine art to­des­stoss für blogs, aber we­der das ende des goog­le rea­ders, noch face­book oder twit­ter wa­ren das ende von blogs. blogs ver­schwan­den le­dig­lich wie­der in ihre ni­schen, in de­nen sie auch vor­her schon wa­ren, et­was aus­ser­halb der wahr­neh­mung des main­streams.


jetzt habe ich weit aus­ge­holt, ob­wohl ich ei­gent­lich nur sa­gen woll­te, dass ich, als ich mein zi­tat oben las, dach­te: das wür­de ich heu­te ge­nau so schrei­ben. blogs funk­tio­nie­ren, blogs sind wei­ter­hin da. man­che ver­schwin­den, vie­le neue tau­chen auf, und stän­dig fin­det man per­len, in­spi­ra­ti­on, un­ter­hal­tung, kon­tro­ver­sen oder se­ren­di­pi­tät — wenn man im strom ein biss­chen mit­schwimmt.

und was mich in den letz­ten ta­gen im­mer wie­der fas­zi­niert hat ist das auf­pop­pen (in mei­nem sicht­feld) von span­nend­ne „neu­en“ tech­no­lo­gien (#at­pro­to, #ac­ti­vi­ty­pub), apps und ag­gre­ga­to­ren die das po­ten­zi­al ha­ben dem gan­zen (im­mer) wie­der neu­en schwung zu ver­lei­hen.

bubbles, ein re­la­tiv neu­er, tol­ler ag­gre­ga­tor mit vo­ting emp­feh­lungs- und kom­men­tar­funk­ti­on, lahmt im deutsch­spra­chi­gen be­reich noch ein biss­chen, aber im eng­lisch­spra­chi­gen brummts. mau­rice schrieb in ei­nem kom­men­tar:

in­zwi­schen ist [bubbles] bei mir der haupt-re­fer­rer über den le­se­rin­nen auf mei­ne sei­te kom­men. Au­ßer­dem stö­be­re ich dort auch echt ger­ne.

das er vie­le be­su­cher von dort be­kommt liegt wahr­schein­lich auch dar­an, dass er (auch) eng­lisch schreibt (sei­ne pro­fil­sei­te bei bubbles zeigt auf die eng­li­sche ver­si­on sei­ner web­site), bei mir schau­felt riv­va der­zeit noch mehr be­su­cher als fast jede an­de­re web­site rü­ber. top re­fer­rer in den letz­ten 12 mo­na­ten:

tat­sa­che ist aber, auch jetzt funk­tio­nie­ren blogs min­des­tens so gut, wenn nicht so­gar bes­ser als 2004. ei­ner­seits na­tür­lich weil si­gni­fi­kant mehr leu­te ins in­ter­net schrei­ben, weil es RSS, riv­va, blogrol­len, web­rin­ge gibt, weil ins in­ter­net schrei­ben­de sich wei­ter ge­ge­sei­tig ver­lin­ken und weil sich wei­ter vie­le men­schen ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie man tech­no­lo­gien, platt­for­men, pro­to­kol­le wei­ter­ent­wi­ckeln kann um dem gan­zen noch­mal mehr schwung zu ge­ben.

ein an­de­rer grund war­um das gan­ze blog­dings wei­ter brummt fällt mir mor­gens oft beim ers­ten kaf­fee auf, wenn sich mir (in etwa) die­ses bild prä­sen­tiert:

screenshot aus meinem mastodon-client phappy mit drei zeitlich eng beieinanderliegenden posts von markus pfeifer (7:39), kaltmamsell (6:29) und buddenbohm (6:01)
meq 7:39, kalt­mam­sell 6:29, bud­den­bohm 6:01

die kon­stanz man­cher ins in­ter­net­schrei­ben­den ist be­ein­dru­ckend. je­den tag zwi­schen 6 und 7 uhr tau­chen ma­xi­mi­li­an bud­den­bohm und die kalt­mam­sell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: mar­kus. es scheint (wei­ter­hin) sehr vie­le men­schen zu ge­ben, für die die lek­tü­re be­stimm­ter blogs zur mor­gen- oder ta­ges­rou­ti­ne ge­hört. ich hab we­nig ah­nung für wie vie­le men­schen mei­ne tex­te zur rou­ti­ne ge­hö­ren, aber ich freue mich na­tür­lich im­mer sehr, wenn ich an­de­re mit in mei­ne rab­bit­ho­les reis­sen kann oder zu­min­dest dazu in­spi­rie­ren kann, mal kurz ei­nen blick auf din­ge zu wer­fen über die ich mich ge­ra­de freue.

tl;dr: be­rich­te über den tod des of­fe­nen webs sind stark über­trie­ben.


das ar­ti­kel­bild zeigt net­news­wire icons von 2006 bis heu­te.

sie­he auch:

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Was würde Legolas tun?

Ich fand die Tage schon ein Fragment im Internet, das ich hier nochmal gesondert festhalten will, weil es so, so schön ist …

User 1: I need to talk about this for a second.

This is right after Gandalf says, „A balrog. A demon of the ancient world.“
I just love how Peter Jackson chose to cut to Legolas‘ face, because he is exactly who you should cut to at this moment. You need an elf to show what it really means. Other than Gandalf, the rest of the Fellowship can sense something is gravely wrong, but they don’t understand just how grave. Like Gandalf, Legolas knows the terror. He understands the gravity of what lies around that corner. He’s got a piddly little bow and he is mere steps away from a demon of the ancient world. This frame shows a kid coming to the realisation that he is way out of his depth, that this mission will take him to places he only knew to exist in legends of the Elder Days, a time long gone, barely history.

He’s probably one of the youngest elves in Middle Earth at this point. He probably grew up on stories of the Balrogs, slaying the ancient High Kings of the Eldar and tearing Middle Earth apart, thousands and thousands of years ago. They are legends in old, crumbling books, read illicitly by a little elfling who was kept up at night by the terrible tales. They are the monsters under the bed and the shadows in the heart of the forest. They are the beasts behind the winged hordes of hell, that older elves, who’ve seen the worst that Arda has to offer, always assured him were no more than distant nightmares, stories relegated to dust and ancient memory. Except now, they are real. They are here. They are coming.


User 2: The best part is that in the books he just starts screaming when he lays eyes on it.

In its right hand was a blade like a stabbing tongue of fire; in its left hand it held a whip of many thongs.
„Ail ai!“ wailed Legolas. „A Balrog! A Balrog has come!“


User 3: Legolas can be relied upon to have the correct reaction to everything.

It is not necessarily normal, or socially appropriate, or sane, but it is always 100% correct.

Alle drei Beiträge sind latürnich, ganz, ganz gross, jeder auf seine eigene Weise. Das Entscheidende dabei ist aber das, was ich daraus gelernt habe: Wenn ich mir nicht sicher bin, wenn es Zweifel gibt, wenn es sich mehrere Wege anbieten oder man selber mit der eigenen, innere Reaktion auf etwas nicht im Reinen ist, will ich mir künftig eine Frage stellen: Was würde Legolas tun?

Mich deucht, das könnte ein sehr, sehr guter moralischer Kompass sein.

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Weh-Em (2) - Vorrunde/Spieltag 1


1. Spielerisch wissen wir gar nichts.
Was auch sonst? Größe ist nicht natürlich nicht alles. Der DFB hat doppelt so viele Mitglieder wie Kroatien Einwohner:innen hat. Trotzdem stand die kroatische Auswahl vor vier Jahren im Finale. Aber es gibt Grenzen. Das 7 : 1 der deutschen Mannschaft gegen Curaçao (160.000 Einwohner:innen) ist sicher eine gute Basis und sorgt für Stimmung, wird aber am Ende so viel oder so wenig wert sein wie das eher gehemmte torlose Unentschieden der favorisierten Spanier gegen die Kapverden oder das dominante 4 : 2 der englischen Auswahl gegen die kroatische. Ein Sieg im Auftaktspiel kann beflügelnd wirken, eine Niederlage muss einen aber nicht zurückwerfen. Bestes Beispiel: Die späteren Weltmeister aus Argentinien verloren 2022 ihr Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien. Am ehesten wird eine Mannschaft zur Meistermannschaft, wenn sie im Turnierverlauf einmal am Abgrund stand, in einer der k.o.-Runden ein Spiel zu überstehen hatte, nach dem das Team das Gefühl hat: Jetzt kann uns keiner mehr.


2. Die verpflichtenden Trinkpausen verändern das Spiel. Erheblich
Weil Gianni Infantino zu den Menschen gehört, die sich keine Einnahmequelle entgehen lassen, geht es der FIFA bei den nunmehr obligaten Trinkpausen zur Mitte jeder Halbzeit nicht um die Gesundheit der Spieler. Ginge es darum, hätte man alles so lassen können, wie es war. Denn Trinkpausen während der Halbzeit sind bereits seit 2014 möglich, allerdings nur bei entsprechenden klimatischen Bedingungen. Wenn Stadien die US-typisch auch in härtester Sommerhitze auf Kühlschrank herunterklimatisiert werden, ist das unnötig. Eher müssten zum Ausgleich Pinkelpausen eingefügt werden.

Zumal das Spiel sich durch die feste Trinkpause verändert in Richtung vier Viertel statt zweier Halbzeiten. Im Spiel gegen Curaçao schien die deutsche Mannschaft nach dem Ausgleich ein wenig aus dem Tritt zu geraten, das Momentum zu verlieren. Durch die Zwangspause hatte Nagelsmann die Chance, alle zusammenzutrommeln und noch einmal neu einzuschwören. Was es genau gebracht hat, weiß man natürlich nicht, aber das Spiel war danach ein anderes. 

die Lücke in meinem Lebenslauf ist eine Hydration Break powered by Powerade

— E L H O T Z O (@elhotzo) June 16, 2026

3. Wer 2026 immer noch von 'Goldenen Generationen' redet, hat den Knall nicht gehört.
Die portugiesische und die belgische Auswahl waren ja angeblich mit einer solchen ausgestattet. Einer Ansammlung einzigartiger Talente, die den Weltfußball fürderhin dominieren würden. Ausbeute bis hierhin: Einmal Europameister (Portugal 2016), ein dritter Platz bei einer WM (Belgien 2022). Glückwunsch, das ist natürlich nicht nichts, aber Weltherrschaft sieht anders aus. Nach diesem Turnier werden mit Ronaldo und de Bruyne wohl die letzten Goldjungs in Rente gehen. Derweil drückt zumindest einer aus der belgischen Golden Generation dem Fußball einen Stempel auf: Bayern-Trainer Vincent Kompany.


4. Die Stimmung in den Stadien ist überraschend gut.
Allen Zumutungen zum Trotze wie Orwellschen Einreisebestimmungen, festungsartigen Grenzkontrollen, absurd hohen Reise- und Hotelkosten und Mondpreisen fürs Stadionbier, pardon marktüblichen Preisen für ein im Stadion erhältliches, leicht alkoholisches kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk mit dezentem Malzaroma, scheinen die Fans sich die Laune nicht verderben zu lassen.


5. Die missionarische Beterei nervt.
Dass Felix Nmecha (BVB) und Jonathan Tah (FCB) gläubige Christen sind, ist ihre Sache und ihnen unbenommen. Und wenn Nmecha glaubt, beim 7 : 1 habe Jesus Christus persönlich die Finger im Spiel gehabt, dann ist auch das natürlich seine Sache. So wie ich die Freiheit habe zu glauben, der letzte WM-Titel einer deutschen Mannschaft 2014 sei dem Fliegenden Spaghettimonster zu verdanken. Niemand sollte ein Problem haben damit, wenn ein religiöser Spieler nach einem Tor für sich eine entsprechende Dankesgeste macht.

Wenn Nmecha aber nach dem Spiel eine öffentliche Gebetszeremonie veranstaltet und dann tatsächlich gesagt haben sollte: "Wir alle glauben, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird.", dann begehre ich nicht mitgemeint zu sein beim brühwarm übergriffigen "Wir alle", wenn's recht ist. Nun bin ich nicht gläubig, aber wäre ich es, dann würde ich annehmen, dass es für Jesus momentan weit wichtigere Baustellen gäbe auf der Welt als die, elf Jungmilliönären in weißen Leibchen irgendwie beim Wettkicken zu helfen.

Übrigens: Es heißt ja, Evangelikale nähmen die Bibel wörtlich. Schlagen wir doch mal nach:

"Und wenn ihr betet, dann tut das nicht wie die Heuchler! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen und an den Straßenecken, um von den Menschen gesehen zu werden. Ich versichere euch: Diese Leute haben ihren Lohn schon erhalten! Wenn du beten willst, zieh dich zurück in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu und bete zu deinem Vater." (Mt 6, 5/6)

Also, was bitte gibt es an diesen Worten Jesu Christi falsch zu verstehen?


6. Messi scheint deutlich besser gealtert als Ronaldo
Der eine macht einen Dreierpack, der andere steht im Weg rum wie Opa, der seinen Rollator nicht findet.








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Fontificator

I thought about this the other day, and I thought it’d be fun to share this internal tool I made over a decade ago to aid with exploring options for Medium’s typographical redesign.

It’s called Fontificator. You can play with Fontificator here (desktop browsers only), or watch the likely confusing video below:

The motivation for building Fontificator came from two observations:

  • font previews on type foundry sites were generally too limited to get a real sense of how a certain typeface feels, and it was best to see a font in situ,
  • often an extremely tiny nuance – like adding some letter spacing, or messing with line height – was what separated something that was promising from something that seemed very far from working.

With Fontificator, I was aiming at this Doug Engelbart-esque notion of one hand on the keyboard + one hand on the mouse, and the UI where it was only necessary to point to an element, and the keys under your other hand would start working immediately – no clicking needed:

  • F and G to change the font,
  • – and + for font size,
  • ← and → for letter spacing,
  • ↑ and ↓ for line height,
  • < and > for opacity (for all the above you can hold Shift for bigger moves),
  • and, there are a few more shortcuts you can see at the top.

This way, we could move really, really fast. To accommodate that, Fontificator always tried to keep the current item under the cursor by counter-adjusting scroll position as needed.

On top of it all, a few more shortcuts:

  • ⇥ and ⇧⇥ move very quickly between different types of stories so you can preview that,
  • Space compares to the original/​current version,
  • 1–9 allow you to switch to different “slots” so you can have various presets ready to compare,
  • Esc hides the toolbar for maximum immersion,
  • ⇧R resets.

You can also edit any text if you are so inclined, and also drag in any font file from your computer onto a paragraph – then that font becomes part of the F/G stack. (Bernino Sans and Freight Text were the starting fonts before the redesign.) On the left, you can also see a naïve mobile preview – there was also more sophisticated on-smartphone preview, but I removed it from this restored version.

Fontificator was literally made for an audience of 2–3 designers (and perhaps 1–2 stakeholders in read-only mode), and it was surprising to me how quickly one could master this strange tool, have fun with it, and feel the page’s typography becoming much more malleable. We also put up a more “traditional” list of contenders on the wall…

…but it was in Fontificator where we learned the most.

I love internal UIs because they allow you to go very wild and very tactical. If you have one you’d be willing to share (maybe it, too, is on the other side of the statute of limitations?), or one you already wrote about or spotted someone else doing so, please let me know!

#internal ui #typography

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Entkernt

Entkernt

Entkernt


Es gilt die arschlochvermutung.de

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kobolde und butler

vor un­ge­fähr 35 jah­ren wur­de wäh­rend ei­nes strand­ur­laubs un­ser auto auf­ge­bro­chen und ein paar sa­chen dar­aus ge­klaut. so­weit ich mich er­in­ne­re, war nichts wich­ti­ges oder wert­vol­les da­bei, wir hat­ten ja nichts da­mals. aber auch mein adress­buch ver­schwand an die­sem tag und das war sehr schmerz­haft. seit­dem füh­re ich mei­ne adress­bü­cher nur noch red­un­dant, ich habe seit­dem im­mer ein back­up. in den spä­ten acht­zi­ger jah­ren wa­ren das wahr­schein­lich noch pho­to­ko­pien, aber seit­dem ich zu­griff auf ei­nen PC und dru­cker hat­te, führ­te ich mei­ne kon­tak­te mit com­pu­ter­hil­fe. mein mo­bi­les adress­buch be­stand vie­le jah­re aus ge­fal­te­ten, klein be­druck­ten DIN-A4-blät­tern. mei­ne adres­sen er­fass­te ich dann, glau­be ich, mit­te der neun­zi­ger jah­re für den palm-pi­lot erst­mals struk­tu­riert. seit­dem le­ben mei­ne adres­sen in ir­gend­ei­nem com­pu­ter und sind im­mer ir­gend­wo ge­si­chert.

ich hole so weit nach anno da­zu­mal aus, um zu be­grün­den, war­um die ers­ten smart­pho­nes mich von an­fang an be­geis­ter­ten und ich sie tat­säch­lich smart fand. weil vor­her war das mit adres­sen und ter­mi­nen ein­fach mist. man soll­te die filo- oder pa­pier­fa­xen zu de­nen wir da­mals ge­zwun­gen wa­ren nicht ver­herr­li­chen. selbst das pri­mi­tivs­te smart­pho­ne da­mals (bei mir un­ter an­de­rem der palm pre) war um län­gen prak­ti­scher und smar­ter als der vor­he­ri­ge pa­pier­kram.

vor drei­zehn jah­ren schrieb ich, dass smart­pho­nes na­tür­lich nicht im sin­ne von in­tel­li­genz smart sei­en:

mein smart­pho­ne weiss ei­ni­ges über mich: alle mei­ne adres­sen, mei­ne ter­mi­ne, mei­nen auf­ent­halts­ort, mit wem ich te­le­fo­nie­re und schrei­be. na­tür­lich weiss mein te­le­fon das al­les nicht, son­dern es spei­chert die­se da­ten erst­mal nur. der pro­zess, die­se in­for­ma­tio­nen zu ech­tem wis­sen um­zu­wan­deln, steckt noch ziem­lich am an­fang.

mir fiel da­mals auf, dass die­se zen­tra­le ag­gre­ga­ti­on von da­ten (oder di­gi­ta­le sam­mel­wut) ei­gent­lich auch nichts neu­es war. leu­te, die es sich leis­ten konn­ten, hat­ten schon im­mer as­sis­ten­ten oder die­ner, die das für sie er­le­dig­ten.

ein gu­ter but­ler (oder as­sis­tent) soll­te mei­ne kon­tak­te, kor­re­spon­denz-me­ta­da­ten und ter­mi­ne ken­nen, je­der­zeit mei­nen auf­ent­halts­ort so ge­nau wie mög­lich be­stim­men kön­nen und so viel wie mög­lich über mei­ne vor­lie­ben und ab­nei­gun­gen wis­sen. die­se da­ten soll­te sich ein but­ler auch gut mer­ken kön­nen, da­mit ihm das al­les nicht je­den mor­gen neu er­klärt wer­den muss.

mitt­ler­wei­le sind smart­pho­nes und un­se­re an­de­ren di­gi­ta­len hel­fer sehr viel wei­ter als vor 13 jah­ren. wir er­fas­sen und spei­chern noch mehr un­se­rer da­ten auf ih­nen, es fal­len un­men­gen an me­ta­da­ten an und die mög­lich­kei­ten, die­se da­ten mit soft­ware zu ver­knüp­fen, wur­den im lau­fe der jah­re im­mer bes­ser. und jetzt ste­hen alle in den start­lö­chern und wol­len die­sen da­ten­schatz mit künst­li­cher in­tel­li­genz auf­be­rei­ten, ver­knüp­fen und aus­wer­ten. vor­geb­lich zu un­se­rem nut­zen und vor­teil.

da­mals wie heu­te stellt sich vor al­lem die fra­ge der loya­li­tät: ist mein smart­pho­ne loy­al? von but­lern er­war­ten wir nicht nur loya­li­tät, son­dern auch dis­kre­ti­on. im prin­zip er­war­ten wir das auch von un­se­ren di­gi­ta­len as­sis­ten­ten. in den ju­gend­jah­ren un­se­rer smart­pho­nes wur­de die­ses ver­trau­en ge­le­gent­lich ge­bro­chen, wenn man ir­gend­wann er­fuhr, dass bei der an­mel­dung bei ei­nem on­line-dienst auch gleich un­ser adress­buch auf die ser­ver die­ses on­line-diens­tes über­tra­gen wur­de.

mitt­ler­wei­le ha­ben die smart­pho­ne-her­stel­ler an der loya­li­tät ih­rer pro­duk­te und den mög­lich­kei­ten der loya­li­täts­kon­trol­le ge­ar­bei­tet. mo­der­ne smart­pho­nes wei­sen dar­auf hin, wenn frem­de zu­griff auf per­sön­li­che da­ten er­lan­gen wol­len, und fra­gen bei uns nach. teil­wei­se so oft, dass wir uns schon wie­der as­sis­ten­ten wün­schen, die die­se an­fra­gen au­to­ma­tisch und in un­se­rem sinn be­ant­wor­ten wür­den. aber grund­sätz­lich ha­ben die meis­ten men­schen mitt­ler­wei­le ein mit­tel­gut be­grün­de­tes ver­trau­en in die loya­li­tät ih­rer elek­tro­ni­schen hel­fer. bis auf die tat­sa­che, um im bild zu blei­ben, dass die­se hel­fer oder but­ler alle ame­ri­ka­ner sind und des­halb et­was un­be­re­chen­bar sind. aber das ist ein an­de­res pro­blem als das, über das ich ei­gent­lich schrei­ben woll­te.

das pro­blem ist künst­li­che in­tel­li­genz (KI). vie­le men­schen (ich auch) er­hof­fen sich prak­ti­sche vor­tei­le da­von, wenn sie KI-sys­te­men zu­griff auf all ihre da­ten ge­ben. vie­le stöp­seln sich mit open­claw oder an­de­ren pro­gram­mier­knech­ten sys­te­me zu­sam­men, die zu­griff auf all ihre da­ten be­kom­men und auch noch in ih­rem na­men han­deln kön­nen. bild­lich ge­spro­chen ist die tech­no­lo­gi­sche lage mo­men­tan so, als ob sich die stras­sen plötz­lich über­all mit ko­bol­den fül­len, die uns ver­spre­chen, alle mög­li­chen auf­ga­ben für uns zu er­le­di­gen, kos­ten­los güns­tig und schnell. da­mit sie gut für uns ar­bei­ten kön­nen, öff­nen wir nicht nur un­ser haus und un­se­re woh­nungs­tü­ren, son­dern ent­fer­nen oft gleich alle schlös­ser und tü­ren kom­plett, da­mit die ko­bol­de un­ge­stört ar­bei­ten kön­nen.

das ist das gute recht al­ler er­wach­se­nen men­schen, so zu han­deln, und wir wer­den alle sehr viel aus den er­fah­run­gen mit den ko­bol­den ler­nen, was pas­siert wenn sie au­to­nom agie­ren oder wenn sie lai­en­haft mit scrip­ten wie open­claw in­stru­iert wer­den.

ap­ple hat an­fang der wo­che sei­ne vor­stel­lun­gen for­mu­liert, wie die zu­sam­men­ar­beit mit die­sen ko­bol­den aus­se­hen soll. ap­ple sucht die ko­bol­de für uns aus und will sie ri­go­ros auf un­se­ren ap­ple-te­le­fo­nen ein­sper­ren. den schlüs­sel zu den ko­bol­den will ap­ple auf dem ipho­ne nicht aus der hand ge­ben. auf dem mac dür­fen wir nach wie vor ma­chen, was wir wol­len, und be­lie­big ko­bol­de ein­las­sen. auf das ipho­ne dür­fen nur ap­ple-ap­pro­ved ko­bol­de in den da­ten wüh­len.

die ge­setz­ge­ber in der eu­ro­päi­schen uni­on fin­den das nicht gut und mei­nen, dass auch an­de­re ko­bol­de im ipho­ne in da­ten wüh­len dür­fen soll­ten. ap­ple sagt, das gin­ge gar nicht, weil man nur die ei­ge­nen, aus­ge­wähl­ten ame­ri­ka­ni­schen ko­bol­de kon­trol­lie­ren kön­ne. ap­ple sagt (mit ganz an­de­ren wor­ten), dass man die ko­bol­de der­zeit ein­fach ein­mau­ert, um tü­ren, fens­ter, ein­lass- und aus­gangs­kon­trol­len, über­wa­chung und ko­bold-aus­wahl­kri­te­ri­en zu kon­zi­pie­ren und zu bau­en, brau­che man noch min­des­tens 18 mo­na­te.

des­halb gibts jetzt wohl in der EU min­des­tens zwei jah­re lang kei­ne ko­bol­de auf ipho­nes.


ich hät­te ger­ne mit den ap­ple-ko­bol­den auf mei­nem ipho­ne rum­ge­spielt. aber noch lie­ber hät­te ich ein ipho­ne, auf dem ich wie auf mei­nem mac das ma­chen kann, was ich will. ein sys­tem, auf dem ich, wenn ich mal ko­bol­de ein­la­de, ge­nau be­ob­ach­ten kann, was die ko­bol­de ma­chen, und sie je­der­zeit wie­der raus­schm­eis­sen kann oder ih­nen fein­gra­nu­lar be­stimm­te rech­te ge­ben kann, wenn es mir mal ex­pe­ri­men­tier­freu­dig zu­mu­te ist. aber ap­ple will das mo­men­tan nicht auf ipho­nes und ipads ma­chen und wehrt sich mit hän­den und füs­sen und viel schlüpf­ri­ger re­si­li­enz ge­gen ge­set­ze, die das ei­gent­lich so vor­se­hen.


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Data Brokers Part 1: Unregulated Forensic Analysis

An industry of hundreds of registered data brokers maintains files on every American adult; identity graphs bind the files to people with near-total coverage; a marketplace layer makes the result queryable by any company with a cloud account; models convert the files into predictions that increasingly price everything you buy.
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Weh-Em (1) - Versuch einer Vorfreude


"Someone told me once that the best World Cup you ever saw was the one you watched when you were 11 years old. Give or take a year or two either side, of course. The appreciation sweet spot is right at the beginning of adolescence, when you're old enough to appreciate the magic of it, but young enough not to understand cynicism." (Paul Howard)

Nachdem die argentinische Mannschaft 2022 das Finale gewonnen hatte, bekam Mannschaftskapitän Messi vom zuständigen Emir übergriffigerweise eine Bisht umgehängt, ein traditionelles halbtransparentes Übergewand. (Man stelle sich vor, der damalige Bundespräsident Rau hätte 2006 dem italienischen Kapitän Cannavaro einen Seppelhut auf die Nuss gesetzt.) Jetzt fragt sich: Was wird Trump mit dem Kapitän der Sieger tun? Zu große Schuhe schenken? Einen Liberace-mäßigen Hermelinmantel umhängen? Den West Wing des Weißen Hauses abreißen und eine Hall Of Fame bauen? Havanna bombardieren?

Oder muss jedes am Ende siegreiche Team, das nicht das US-amerikanische ist, befürchten, von ICE-Beamten hopsgenommen zu werden?

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"Fußball kann eine wunderbare Sportart sein, und er begeistert Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Das Spiel verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft, fördert Teamgeist, Fairness und Bewegung. Durch seine einfachen Regeln kann es fast überall gespielt werden und schafft gemeinsame Erlebnisse, die Grenzen von Sprache, Kultur und Alter überwinden. Gerade deshalb gilt Fußball als eine der beliebtesten Sportarten der Welt." (Axel Mayer)

Fußball funktioniert auch fast überall auf der Welt: Außer in Gegenden, in denen mit einem Ei gespielt wird, kann man einfach ein paar Leuten einen Ball geben und sie werden höchstwahrscheinlich anfangen, irgendwie damit herumzukicken. Das verbindet.

Nur muss man diese Sphäre trennen vom Profifußball. Der ist eine Welt für sich. War auch schon zu Zeiten, in denen nicht wie heute das Kapital den Ton angab, kein Streichelzoo. Auf dem Platz artete das nicht selten aus in eine üble Treterei, im Herbst und Winter glich der Rasen nicht selten einem Kartoffelacker, sodass nur mehr lange Bälle nach vorn gedroschen wurden, die Stadien waren unüberdachte, wenig freundliche Orte und es lagen oft Hiebe in der Luft. Ferner sollte man erwähnen, dass vor allem der europäische Clubfußball seit dem Start der Champions League und den diversen Regeländerungen in taktischer, technischer und athletischer Hinsicht einen Quantensprung hingelegt hat. Vor allem bleibt einem bei Clubfußball das patriotische Gepränge erspart.

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Das Aufblasen des Events auf 48 teilnehmende Teams hat für die Spieler zu Folge, dass ihnen im Fall des Finaleinzugs die Sommerpause um eine gute Woche gekürzt wird und sie mit dem Sechzehntelfinale eine K.O.-Partie mehr zu bewältigen haben, die theoretisch in die Verlängerung gehen kann. Das verstärkt den Trend, dass Topmannschaften im Prinzip zwei vollzählige A-Aufstellungen im Kader haben müssen, um die immer steigende Zahl von Pflichtspielen gegen immer stärkere Gegner plus immer größere Turniere bewältigen zu können. Da helfen auch keine verbindlichen Trinkpausen, a.k.a. zwei Slots mehr pro Spiel für Werbespots.

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Will man Fußball-Weltmeisterschaften wirklich genießen, muss man eigentlich immer jede Menge ausblenden. 1974 war es das dauernde Sauwetter, von dem meine Eltern erzählten, 1978 musste man die mörderische Militärjunta wegignorieren, 1982 in Spanien die GAL, die mit Folter und Mord gegen die ETA vorging, 1998, soweit möglich, die Brutalität jener deutschen Hooligans, die den Gendarmen Daniel Nivel fast zu Tode traten, 2006 die sehr wohl vernehmbaren rassistischen Misstöne des 'Sommermärchens', 2010 das permanente Vuvuzela-Getute, 2022 die Tatsache, dass die Infrastruktur von quasi rechtlosen Heloten errichtet worden war, von denen etliche ums Leben kamen. Aktuell sind das die Machenschaften des korrupten Duos Gianni Infantino und Donald Trump.

"2026 ist das erste Mal, dass ein WM-Gastgeber in einem völkerrechtswidrigen Krieg mit einem teilnehmenden Land verwickelt ist. Zum ersten Mal dürfen Bürger von vier Teilnehmerländern nicht zum Turnier einreisen. Zum ersten Mal, droht der Staatschef eines Gastgeberlandes offen damit, den einen Mitgastgeber zu annektieren und hat Handelsabkommen mit dem anderen aufgekündigt. Zu eskapismus-feindlich ist zudem Infantinos Schulterschluss mit Trump und die FIFA-Politik des „Mehr ist Mehr“. Selbst das Sympathische ist durch das Aufblasen des Turniers zu einem 48-Mannschaften-Gigantomanen entwertet worden." (Philipp Köster)


Das Trump-Regime ist bereits zuverlässig in die Falle getappt, in die alle Autoritären tappen. Sie glauben, die Kontrolle zu haben, aber das ist bloß Selbsttäuschung. Und sie kapieren nicht, dass sie oft das Gegenteil von dem erreichen als sie beabsichtigen. Der somalische Schiedsrichter, der wieder nach Hause fahren musste, ist daheim in Somalia jetzt ein Volksheld.

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Mein Tipp vor Turnierstart: Auf dem Papier Frankreich oder Spanien. Titelverteidiger Argentinien könnte das Problem haben, das Spiel immer noch sehr am älter und damit verletzungsanfälliger werdenden Messi auszurichten. Und die deutsche Mannschaft? Gehört zum erweiterten Kreis der Geheimfavoriten. Peter Neururer sagte richtig, die Truppe sei eine Wundertüte, habe aber genügend gute Leute dabei, um das Zeug zur Überraschungsmannschaft zu haben. Allerdings auch in negativer Hinsicht.










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